Nora: Betriebsratsmitglied nach 36 Jahren fristlos gekündigt

Aktiver Gewerkschafter der IG BCE stört Betriebsratsmehrheit und Geschäftsleitung offenbar beim Verkauf des Unternehmens

Helmut Schmidt 1979

Die Rose “Helmut Schmidt” ist nicht nach dem Weinheimer Gewerkschafter Helmut Schmitt benannt. Foto: Wikicommons


Die Geschäftsleitung der Nora Systems GmbH Weinheim (Bodenbeläge) scheint ihren Betriebsrat insgesamt recht gut im Griff zu haben. Die Mehrheit des Gremiums forderte am 29. Juni 2012 den Ausschluss ihres Mitglieds Helmut Schmitt und stimmte am 2. Juli 2012 seiner fristlosen Kündigung zu – der Mann war 36 Jahre im Betrieb, davon 31 Jahre als Betriebsrat.

Schmitt hatte 2007 mit anderen erfolgreiche Proteste und Blockaden gegen den Verkauf des Unternehmens an einen Mitkonkurrenten organisiert und so vermutlich etliche Arbeitsplätze gerettet. Bei den letzten BR-Wahlen hatte er die meisten Stimmen erhalten. In Weinheim hat sich ein Soli-Komitee gegründet, um Schmitt zu unterstützen.

Die Rhein-Neckar-Zeitung schrieb zu der Kündigung des kampferprobten Betriebsrats am 20.August 2012:

Schmitt ist neben seiner Betriebsratstätigkeit auch Vorsitzender der IG BCE-Ortsgruppe Weinheim. Die fristlose Kündigung war laut Angaben seiner Anhänger nicht der erste Versuch der Unternehmensleitung, den Kritiker “mundtot zu machen”. (weiterlesen …)

Tübingen: Zimmerfrau wehrt sich gegen Lohnraub

Weigerung unbezahlte Überstunden zu machen führt zu Aufhebungsvertrag

Ein 20-Stunden-Job im Hotel Stadt Tübingen entpuppt sich als Vollzeitstelle. Laut Zeitungsbericht soll Kareen Diera neun Zimmer in nur drei Stunden reinigen – so die Zeitvorgabe ihres Arbeitgebers, die ZHS Zingsheim Hotelservice GmbH aus Blankenheim. Als sich die 41-Jährige Deutsch-Jamaikanerin wehrt, wird sie mit Abmahnungen überzogen und schließlich gekündigt.

Kareen Diera geht nun gerichtlich gegen ihre Kündigung vor. Laut Labournet.de findet der nächste Prozesstermin im Reutlinger Arbeitsgericht (Bismarckstraße 64) am 18. Juni 2012, um 9:40 Uhr statt.

Für spontanen Protest gegen diese Form von Arbeitsunrecht eignen sich die folgenden Email-Adressen: info@zingsheimgmbh.de, info@hotel-stadt-tuebingen.de

Wir dokumentieren einen Bericht von Stefan Zibulla in der Lokalzeitung “Tagblatt-Anzeiger” vom 30. Mai 2012 : (weiterlesen …)

Bonn: Betriebsrat wg. 3 Schrauben gefeuert

Freigestellter Betriebsrat von Kollegen verpfiffen und wegen Bagatelle gekündigt.

Wir dokumentieren einen Artikel des Bonner General-Anzeiger vom 29.09.2010 :

Bonn. Immer wieder sorgen fristlose Kündigungen wegen Bagatellen für Schlagzeilen. In einem Fall, der in wenigen Tagen vor der ersten Kammer des Bonner Arbeitsgerichts ein zweites Mal verhandelt wird, geht es um drei Schrauben im Wert von 28 Cent.

Ein Mechaniker hatte sie für den privaten Gebrauch an sich genommen. Dabei hatte ein Kollege den freigestellten Betriebsratsvorsitzenden beobachtet und bei den Vorgesetzten verpfiffen. Die setzten den 50-Jährigen umgehend vor die Tür. Allerdings verweigerte der Betriebsrat die in diesem Fall erforderliche Zustimmung für die fristlose Kündigung.

Dem Unternehmen blieb somit nur der Gang zum Arbeitsgericht, um dort die verweigerte Zustimmung durch ein Urteil ersetzen zu lassen. Die Güteverhandlung verlief indes ergebnislos.

Dort hatte der Mitarbeiter sein Fehlverhalten eingeräumt. Den Vorschlag des Gerichts zur Güte, den Diebstahl der drei Schrauben mit einer Abmahnung zu ahnden, lehnte das Unternehmen allerdings ab. Das Vertrauenverhältnis sei seit dem Vorfall so zerrüttet, dass man den Mann nicht mehr weiterbeschäftigen könne, hieß es.

Dafür hat DGB-Justiziar Alexander Gerhards, der den Betriebsratsvorsitzenden im Arbeitsgericht vertritt, kein Verständnis. “Immerhin ist mein Mandant seit 30 Jahren in dem Betrieb tätig”, sagte er dem GA. Obendrein wäre der Mann sogar damit einverstanden gewesen, sein Fehlverhalten vor versammelter Kollegenmannschaft zuzugeben.

Jetzt setzte sein Mandant alle seine Hoffnung auf den für Donnerstag 21. Oktober, anberaumten Kammertermin, wo die Verhandlung im Arbeitsgericht fortgeführt werden soll.