Ryanair: Lotsen-Streiks in Europa verbieten!

Billigfluglinie setzt EU-Kommission unter Druck / Boykott-Kampagne in England / Vorwürfe: Ausbildungs-Betrug, Lohndumping, Union Busting

John Foley mit Unterstützerinnen am Flughafen

Ryanair betreibt auf europäischer Ebene Lobbyismus für Streikverbote im Flugverkehr.

In einer Pressemitteilung vom 4. April 2012 schlägt Ryanair ernsthaft vor, Fluglotsen europaweit unter Militär- oder Polizeirecht zu stellen und ihnen das Streiken zu verbieten.

Gleichzeitig gerät Ryanair von Liverpool aus unter Druck. Dort treibt der Aktivist John Foley eine Kampagne gegen “Ausbildungs-Betrug” und Lohndumping voran. Auch in Deutschland sind miserable Arbeits- und Ausbildungsbedingungen bei Ryanair bekannt. 

Die Billigfluglinie fordert in ihrer Pressemitteilung:

Ryanair hat bereits darauf hingewiesen, dass einer Großzahl der europäischen Polizei- und Militärkräfte im Sommer ein Streikverbot auferlegt ist. Fluglotsen in den USA dürfen ebenfalls während der Sommermonate nicht streiken, so dass der Luftraum der USA nicht aufgrund von Fluglotsen-Streiks oder Arbeitsstreitigkeiten geschlossen wird. Die Europäische Kommission sollte ähnliche Regeln für den europäischen Luftraum geltend machen. […]

Es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Das Recht der europäischen Fluglotsen zu streiken, muss in derselben Weise gesetzlich eingeschränkt werden wie das Recht der Fluglotsen in den USA.

Gewerkschaftszerschlagung nach Art von Reagan?

Ryainairs Alptraum John Foley live auf sky TV

Zum Hintergrund: Der neoliberale Durchmarsch der Regierung Reagan begann in den USA 1981 mit der drakonischen Niederschlagung eines bundesweiten Fluglotsen- und Piloten-Streiks an dessen Ende die Vernichtung der Gewerkschaft PATCO stand. Die Demoralisierung der gesamten amerikanischen Gewerkschaftsbewegung war die Folge.

Dabei bediente sich die Reagan-Administration einer Notstandsklausel aus dem Taft-Hartley-Act von 1947. Tausende Arbeiter wurden entlassen, das FBI gegen Gewerkschafter eingesetzt; Militärs fungierten als Streikbrecher. Gewerkschaftsführer wurden mit Schadensersatz in Millionenhöhe und Gefängnis bedroht. (Nachzulesen: wsws.org, Spiegel-Archiv Nr. 34/1981 )

Ryanair don’t care – Ein Mann lehrt Fluglinie das Fürchten

Im arbeitgeberfreundlichen Fluglinien-Portal “Airportzentrale.de” wird Ryanair “Europas beliebteste Fluglinie” genannt.

Auf den Britischen Inseln sieht sich Ryanair seit März 2012 mit der Bocyottcampagne “Ryanair don’t care” konfrontiert (“Ryanair ist es egal”). Dort ist von “Europas schlechtestem Arbeitgeber” die Rede. Es geht um Lohndumping und die Ausbildungspolitik der Fluglinie.

Die FAU-Düsseldorf schreibt dazu:

John Foley hat die Kampagne ins Leben gerufen nachdem seine als Stewardess arbeitende Tochter kurzfristig und ohne einen Penny in der Tasche auf die Straße gesetzt worden war. Seine Kampagne führte zu einer höchst explosiven Enthüllung von Ausbildungsbetrug bei der Fluglinie. Ryanair beutet Auszubildende im großen Maßstab aus, indem die potentiellen Crew-Mitglieder ungefähr 3000€ an eine Agentur für die Ausbildung bezahlen müssen. Nach der Ausbildungszeit werden sofort 60 ArbeiterInnen entlassen, einen Monat später sind es insgesamt 200. Wer es schafft dabei zu bleiben, arbeitet ein Jahr auf Probe für ein niedrigeres Gehalt als andere KabinenmitarbeiterInnen und Ryanair behält den Rest, ungefähr 20 Millionen Pfund pro Jahr.

Besagter John Foley ist mehrfach wegen spektakulärer Aktionen aufgefallen. Am 31. Januar 2012 unterbrach der 46-Jährige das Spiel des Liverpoolder Clubs FC Everton gegen Manchester City, indem er sich an einen Torpfosten kettete. Auf seinem T-Shirt war in den Übertragungen zu lesen: “Europes Greatest Training Robbers. Ryanair. Lowest Wages guaranteed.” (Europas größter Ausbildungs-Räuber. Ryanair. Niedrigste Löhne garantiert.)

Keinen Deut besser: Ryanair in Deutschland

Bereits 2007 enthüllte die Berliner taz erschütternde Arbeits- und Ausbildungsbedingungen von Ryanair in Deutschland. Die Fluglinie bezieht ihr Personal vom Subunternehmer “Crewlink”.

Wer bei Ryanair arbeiten will, muss Geld mitbringen. Umgerechnet 1.960 Euro kostete Meine die fünfwöchige Schulung. Eine Vergütung erhielt sie für diese Zeit nicht. Wer durch die Abschlussprüfung fiel und nicht eingestellt wurde, bekam von der Anzahlung nichts zurück, berichtet Meine. Den anderen wurde der Restbetrag in monatlichen Raten vom Gehalt abgezogen. Hinzu kamen 360 Euro für die Uniform und die Kosten für den Sicherheitsausweis am Flughafen.

Wer es durch das Trainingscenter schafft, durfte, laut taz, zu folgenden Bedingungen arbeiten:

  •   Nur 20 Tage Urlaub im Jahr. Gezahlt wird pro Urlaubstag nur Lohn für fünf Arbeitsstunden. (In Deutschland sind 24 Urlaubstage das gesetzliche Minimum.)
  • Flugbegleiter müssen ihr Essen nach Bordtarifen bezahlen
  • “There are no Company provisions for sick pay” heißt es da. Auf Deutsch: Das Unternehmen zahlt kein Krankengeld.

Die taz berichtete weiter:

“Wer das Wort ‘Gewerkschaft’ in den Mund nimmt, der hat ein Problem.” Drei italienische Angestellte von Ryanair, die auf einer Betriebsversammlung zu gewerkschaftlicher Organisierung aufriefen, seien nach Marseille versetzt worden. Als sie sich widersetzten, sei ihnen gekündigt worden. Ähnlich sei es einer Flugbegleiterin aus London ergangen, die Flugblätter der Gewerkschaft verteilt habe.

Personalchef Eddie Wilson bestreitet das. “Natürlich haben unsere Beschäftigten das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und zu streiken. Das Streikrecht ist in Irland schließlich verfassungsmäßig geschützt.” Die Crewlink-Arbeitsverträge sagen etwas anderes. Arbeitskämpfe, Streiks und sogar “Dienst nach Vorschrift” sind explizit als Kündigungsgrund aufgeführt.

 Auch Passagiere können streiken

Im November 2011 berichtete Spiegel-online von einem spontanen Sitzstreik von Ryanair-Passagieren. Deren Maschine war nicht nur mit erheblicher Verspätung gestartet, sondern auch ganz woanders gelandet: Lüttich statt Paris.

Mehr als hundert Kunden der Billigfluggesellschaft Ryanair protestierten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in ungewöhnlicher Weise gegen die Umleitung ihres Fliegers: Aus Frust darüber, dass ihre Maschine wegen Verspätung nicht am Zielflughafen im französischen Beauvais bei Paris landen konnte, blieben die Passagiere nach der Landung im belgischen Lüttich einfach sitzen. Erst nach vierstündigen Verhandlungen verließen sie die Maschine.

(Hervorhebungen durch arbeitsunrecht.de)

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