Aufbau zum „Global Player“ per Steuerflucht + Leiharbeit | Bizarre Vorwürfe gegen Betriebsratsvorsitzenden | Naujoks als Berater

von Tony Kofoet / ergänzt und redigiert von Elmar Wigand

Das brandneue Kreuzfahrtschiff Norwegian Escape am 24.08.2015. Es fährt nun unter der Flagge der Bahamas (Quelle wikicommons, Urheber Arno Redenius)
Die Norwegian Escape am 24.08.2015 im Hafen der Meyer Werft. Das Schiff fährt nun unter der Flagge der Bahamas. (Quelle wikicommons, CC, Urheber Arno Redenius)

Am 18.09.15 verließ das brandneue Kreuzfahrtschiff „Norwegian Escape“ den Papenburger Standort, am gleichen Tag versuchte die Werftleitung den Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim E. zu feuern. Doch das wird schwierig. Einerseits ist er als gewählter Vertreter gesetzlich geschützt, andererseits sind die Vorwürfe und Umstände bizarr bis fadenscheinig: Ihm wird vorgeworfen, dass er in den Jahren 2011 und 2012 junge Werftmitarbeiter genötigt haben soll, in die IG Metall einzutreten. Warum die Werftbosse jetzt auf Vorgänge zurückgreifen, die drei bzw. vier Jahre zurückliegen, ist nicht bekannt.

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Die Papenburger Meyer Werft, die sich auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert hat, gehört zu den wenigen deutschen Werften, die florieren. Nur hatte Meyer bis 2014 ein großes Problem, die Werft liegt im Binnenland und die Schiffe müssen 40 km Richtung Nordsee über die Ems überführt werden, d. h. XXL-Kreuzfahrtschiffe können nicht in Papenburg gebaut werden. Um das zu ändern, kaufte Meyer die finanziell angeschlagene STX-Werft im finnischen Turku. Hier, direkt an der Ostsee, können Kreuzfahrtriesen problemlos gebaut werden.

Als bekannt wurde, dass Meyer, sich an STX beteiligen wollte, kam es in der Belegschaft zu Befürchtungen, der Standort Papenburg, an dem 3.100 MitarbeiterInnen beschäftigt sind, könnte langfristig an Bedeutung verlieren. Dem widersprach die Werftleitung: „Wir stärken alle Standorte gleichermaßen. Ein Personalabbau in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder in Finnland sind kein Thema“, erklärte Juniorchef Jan Meyer. Anfang 2015 einigten sich die Geschäftsführung, der Betriebsrat, die Niedersächsische Landesregierung und die IG Metall Küste auf einen Standortsicherungsvertrag, der die Arbeitsplätze langfristig festschreibt.

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