Lufthansa: 2 Jahre nach der Germanwings-Katastrophe

Keine Entschuldigung. Zynischer Umgang mit Hinterbliebenen. Beleidigendes Schmerzensgeld. Bis heute kein Vier-Augen-Prinzip in Cockpits von Eurowings

Gedenkstätte am Flughafen Düsseldorf für Germanwings-Flug 9525. (Wikicommons)

Väter und Mütter der getöteten Schulkinder und Angehörige der getöteten Lehrerinnen äußern tiefe Enttäuschung und Empörung über Lufthansa und ihren Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr:

Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit 45.000,- Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst.  Das ist der Betrag, den Sie persönlich jede Arbeitswoche von der Lufthansa als Gehalt bekommen. Jede Woche.

Zahlreiche Angehörige versuchen in den USA zu klagen. Denn die Staatsanwaltschaft Düsseldorf lehnte ihre Klagen ab.

Das Kölner Büro der aktion./.arbeitsunrecht bekundet Mitgefühl und Solidarität mit den Eltern und Angehörigen des Germanwings-Flugs 9525.

Der Massenmord durch den Selbstmord-Piloten Andreas L. war nach unserer Auffassung auch das Produkt eines gnadenlosen Wettbewerbs um immer niedrigere Arbeitsstandard, immer billigere und “effizientere” Arbeit in der Luftfahrtbranche. Darunter leiden viele Piloten, gerade bei Billig-Fliegern. Manche werden krank.

Der Motor der Entwicklung ist die EU, die die “Liberalisierung” des Wettbewerbs in der Luftfahrt seit 1996 energisch voran treibt. Die Vorreiter heißen Ryanair und Norwegian. Die Lufthansa und ihre Billigtöchter Eurowings / Germanwings folgen diesen aggressiven Playern. Das Rattenrennen um billigere Flüge und niedrigere Standards muss gestoppt werden! Es ist eng verzahnt mit der Auslagerung an Sub-Unternehmer. Nicht nur in der Luft, auch am Boden.

Solange nichts an den Strukturen der Arbeit in der Luftfahrt geändert wird, kann niemand von einer verantwortungsvollen Reaktion auf die Katastrophe vor zwei Jahren sprechen. Weiterlesen ›

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Frontberichte 02/2017

Presseschau: Betriebsrats-Bekämpfung, Union Busting und Lohnraub

G&J Services GmbH  / Paderborn: Lohnraub an Putzfrauen bringt FDP-Politiker zu Fall ++ H&M / Tübingen: BR-Vorsitzender gekündigt ++ Knorr Bremse & KB Powertec / Berlin-Tegel: Sieben Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche! ++ Haus Flora (Artemed) / Elmshorn: Kündigungsversuch gegen BR-Vorsitzende gescheitert ++ Maja-Möbelwerk / Wittichenau: IKEA-Zulieferer gegen Betriebsratswahlen und IG Metall ++ Hollerhöfe / Waldeck bei Kemnath: Kündigung wegen Betriebrats-Gründung ++

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G&J Services: Lohnraub an Putzfrauen bringt FDP-Politiker zu Fall

Der Fraktionsvorsitzende der dreiköpfigen FDP-Fraktion im Paderborner Stadtrat Dominic Gundlach (35) ist laut Westfalen-Blatt vom 28.2.2017 zurück getreten. Der wirtschaftsliberale Unternehmer stolperte über sein kriminiell anmutendes Geschäftsgebahren als Boss der Reinigungsfirma G&J Services GmbH.

Gundlach soll systematischen Lohnraub an Putzkräften begangen haben und wird der Insolvenzverschleppung verdächtigt. In letzterem Straftatbestand ermittelt die Staatsanwaltschaft, so schreibt das Westfalen-Blatt am 3.3.2017.

Der IG BAU-Sekretär Gianpaolo Mosca berichtete gegenüber der Lokalpresse von mindestens zehn Fällen, in denen Reinigungskräfte ihren Lohn einklagten. Wie das Westfalen-Blatt am 18.2.2017 schrieb, ging es um Beträge zwischen 300 und 1700 Euro. “In mindestens drei Fällen sei es bereits zu Versäumnisurteilen und auch zu Zwangsvollstreckungen gekommen. Weitere Verfahren würden am Arbeitsgericht verhandelt.”

Manche Zeilen der Presse-Berichte lassen tief blicken: Weiterlesen ›

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Unsere klammheimlichen Trump-Fans

Massive Arbeiter-Proteste zwingen den designierten US-Arbeitsminister Andrew Puzder zur Aufgabe. Doch seine asozialen Praktiken als Fast Food-Unternehmer waren in der EU kein Gegenstand der Kritik

Wenn dieser sympathische Hamburger reden könnte, hätte er auch in Deutschland gute Chancen gewählt zu werden. Er müsste nur die richtigen Dinge versprechen und die falschen Leute beschuldigen.

von Werner Rügemer

Wie heftig kritisieren Politiker und Unternehmer diesseits und jenseits des Atlantiks den neuen bösen US-Präsidenten Trump, wenn er Bürgern muslimischer Staaten die Einreise verbieten will! Bei dem vielen begründeten Gemaule über Trump wird aber eines verdrängt:

Trump und seine Leute stehen für eine neue, noch asozialere Unternehmer-Generation

Sie kümmert sich wenig bis gar nicht um Arbeitsrechte, weder national noch international. Das unterscheidet Trumps Clique bei genauerer Betrachtung bislang kaum von Regierungen in Deutschland und in der EU, die vergleichbare Zumutungen und Härten selbst organisieren oder hinnehmen.

Trump hatte als seinen Arbeitsminister den Fast Food-Unternehmer Andrew Puzder benannt. Doch zahlreiche Gruppen wie Jobs with Justice und Equal Rights Advocates sowie der Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO haben wochenlang die Praktiken Puzders an die Öffentlichkeit gebracht. Seine Anhörungs-Termine vor dem US-Senat mussten fünf Mal verschoben werden, weil Trumps Kandidat mit seinen schriftlichen Antworten nicht nach kam. Jetzt hat er auf das Amt verzichtet.

Wahlversprechen: Jobs und bessere Löhne?

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Arbeitsrichter und die Privatisierung des Rechts

Zur Rolle von Arbeitsgerichten bei der Zermürbung von Betriebsräten | Rücksprung in die Bismarck-Zeit

von Elmar Wigand*

Arbeitsrichter des BAG Kassel, 10.6.1980

Bundesarbeitsgericht Kassel, 10.6.1980

Arbeitsgerichte sind ein entscheidendes Kampf-Terrain, wenn es darum geht, Angriffe von professionellen „Fertigmachern“ abzuwehren.

Mit einem Beitrag im Frankfurter express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit beleuchtete der Arbeitsrechtler Patrick Fütterer die fragwürdige Rolle von Arbeitsrichtern im Union Busting (“Sonderprivatrecht?”, 2.12.2016) . Das ist zu begrüßen, gerade weil Gewerkschaften und gewerkschaftsnahe Akteure darum bislang einen weiten Bogen machten.

Zum Einstieg einige Thesen als Ergänzung zu Patrick Fütterers Aufschlag:

  1. Der Mobbing-Begriff ist nicht nur untauglich, sondern gefährlich

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Fraport: Gepäckfahrer verteidigt Meinungsfreiheit

Kritik an Arbeitsbedingungen ist keine Störung des Betriebsfriedens. Fraport-Arbeiter gewinnt vor LAG. Kollaboration zwischen Betriebsrat und Management

Unser Kollege Erdoğan Sedef wurde am Frankfurter Flughafen gefeuert, weil er Flugblätter gegen miese Arbeitsbedingungen verbreitet haben soll. Die Fraport-Leiharbeits-Tochter Fraground, für die er als Gepäckfahrer arbeitete, firmierte bis Ende 2016 noch unter APS, Airport Personal Service GmbH.

Das Landesarbeitsgericht Frankfurt hat den Kündigungsversuchen nun einen Riegel vorgeschoben (Az. 8 Sa 686/16). Hier sollte nicht nur ein kritischer Mitarbeiter entsorgt werden; Fraport zog mit Vorstellungen von Meinungsfreiheit und “Betriebsfrieden” in die gerichtliche Fehde, die offensichtlich dem Grundgesetz widersprachen. Das Resultat war eine deutliche Klatsche: Das Beschäftigungsverhältnis besteht fort; eine Revision ist nicht zugelassen.

Eine Besonderheit des Falles: Der von ver.di-Mitgliedern dominierte Betriebsrat unter Vorsitz von Devrim Arslan und Özgür Yalcinkaya hatte die Kündigung nicht nur durch gewunken, sondern selbst angestoßen.

Aufhänger waren Flugblätter, die im Betrieb ausgelegt und am Schaukasten des Betriebsrats befestigt worden waren. Sie riefen zu Protest und Widerstand gegen Missstände am Arbeitsplatz auf: zu viel gesammelte Stunden auf Arbeitszeitkonten, Rufbereitschaft, willkürliche Arbeitszeitverkürzungen. Verantwortlich für die miesen Arbeitsbedingungen wurde auch der Betriebsrat gemacht.

Betriebsrat beantragt Kündigung

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