Rettungsdienst aus Unna angeblich pleite.
Behörden hatten Whistleblower-Hinweise anscheinend monatelang ignoriert. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Angestellte erhielten 2026 keinen Lohn. Rettungsdienst angeblich insolvent, aber Harley-Davidson und Oldtimer auf dem Hof…?
Nun ist die Zahlungsunfähigkeit da. Am 15. Januar 2026 stellte die Reinoldus-Geschäftsführung beim Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag.1 Am 20. Januar 2026 bestätigte die Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage der Aktion gegen Arbeitsunrecht , dass sie wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten ermittelt.
Der Kreis Unna wird die Zusammenarbeit mit Reinoldus zum 30.06.2026 einstellen.2 Bereits zum 1. Januar 2026 hatte Reinoldus Aufträge abgeben müssen, weil der Kreis sie kurzfristig neu ausgeschrieben hatte.
Der Reinoldus Rettungdienst bietet im Kreis Unna und in Dortmund Krankentransporte und Rettungdienste an.
Wir berichteten erstmals am 17. April 2025 in unseren Union Busting-News über den Reinoldus Rettungsdienst, weil die Geschäftsführung zwei Betriebsratsmitgliedern kündigen wollte. Auch aktuell versucht die Reinoldus-Geschäftsführung unter Peter Schroeter und Nicole Grünewald den Betriebsratsvorsitzenden zu feuern.
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Zum anderen geriet der Reinoldus Rettungsdienst in die Schlagzeilen, weil in der Wache Unna-Königsborn angeblich eine sogenannte Todesliste geführt wurde. Hier hielten die Angestellten laut Pressebericht fest, mit wie vielen Todesfällen sie im Dienst jeweils konfrontiert waren. Wer die meisten Todesfälle hatte bekam laut Bericht einen Wanderpokal weitergereicht. Eine Verrohung der Firmenkultur, die schockiert…
Follow the money
Bereits im April 2025 gab einen wichtigen Hinweis auf Zahlungsschwierigkeiten. Wörtlich hieß es in unserem Bericht: „Erst im Januar 2025 gründete sich ein Wirtschaftsausschuss bei Reinoldus. Angestellte sorgen sich wegen der wirtschaftliche Situation, seit eine Mail in Umlauf gekommen war, in der von Liquiditätsproblemen die Rede ist.“
Im Laufe des Jahres 2025 hatte Hinweisgeber und Angestellte namentlich und anonym zig Hinweise an Kontrollbehörden gegeben. Diese haben die zuständigen Amtsangestellten unserer Kenntnis nach weitgehend ignoriert. Unter den angeschriebenen Institutionen waren nach unseren Informationen: die Staatsanwaltschaft Dortmund, das Amtsgericht Dortmund, die Bezirksregierung Arnsberg, der Kreis Unna, die Arbeitsagentur Düsseldorf sowie das Landesamt zur Bekämpfung von Steuerdelikten. Wir berichteten am 29.12.2025 hier ausführlich: Reinoldus Rettungsdienst: Angestellte von allen guten Ämtern verlassen?
Die Whistleblower bei Reinoldus waren zwischenzeitlich derart frustriert, dass sie Mutmaßungen über Strafvereitelung um Amt äußerten. Immerhin hatten Behörden in Aussicht gestellte, detailliertere Informationen teils nicht einmal angefordert, so berichteten Insider der Aktion gegen Arbeitsunrecht.
Der Skandal wird umso größer mit Blick auf die Tatsache, dass Reinoldus eine steuerbegünstigte gemeinnützige GmbH ist.
Angestellte erhielten im Januar 2026 keinen Lohn
Der vorläufige Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Sebastian Henneke verbreitet derweil, laut Hellweger Anzeiger, wenig Optimismus und kündigt intensive Prüfungen an.
Die rund 100 Reinoldus-Angestellten warten nicht nur auf den Januar-Lohn, sondern schon seit Monaten auch auf die Nachzahlung einer Tariferhöhung in 2025. Besonders ungerecht aber könnte es eine zu Unrecht gefeuerte Rettungssanitäterin treffen: Ihr vorenthaltener Lohn könnte nun in der Summe der offenen Forderungen gegen Reinoldus aufgehen, so dass letztlich nicht viel bei ihr ankommt.
Angeblich hat das Unternehmen leere Taschen… Andererseits ist von Oldtimern und einer Harley Davidson im Fuhrpark des Rettungsdienstes die Rede. Und der ehemalige Geschäftsführer Magnus Memmeler soll sich bereits im Frühjahr 2025 verabschiedet haben, so ist zu hören, weil er unabgesprochene Kapitalentnahmen und Fahrzeugkäufe, die seiner Einschätzung nach nicht dem Unternehmenszweck dienten, nicht mittragen wollte.
Peter Schroeter erklärte indes am 21.01.2025 auf Anfrage der Aktion gegen Arbeitsunrecht, dass derzeit kein Verfahren gegen die Reinoldus gGmbH anhängig sei und man nach wie vor das Ziel verfolge, das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten.
Der Fisch stinkt vom Kopf her
Wir stellen einmal mehr fest: Wenn der Verdacht auf Union Busting aufkommt (Was ist das?), lohnt es sich, sehr genau hin zu schauen. Behinderung der Betriebsratsarbeit kommt in der Regel einem Wink mit dem Zaunpfahl gleich, dass die Geschäftsführung Dreck am Stecken hat. Manchmal stehen harte Einschnitte bevor, manchmal Pleiten, manchmal gibt es Leichen im Keller.
Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Ob hier ein paar Leute am Ende gar hinter Gittern landen? Wer auf dem Laufenden bleiben will, möge unseren kostenlosen Email-Newsletter abonnieren.
Quellen
1 Sebastian Schmulka: Ein Jahr des Niedergangs Reinoldus auf dem Weg in die Insolvenz, Hellweger Anzeiger, 16.01.2026, https://www.hellwegeranzeiger.de/unna/kreis-unna-geht-mit-reinoldus-ins-gericht-w1139618-1001593577/
2 Sebastian Schmulka: Kreis Unna bricht den Stab über Reinoldus „Keine Zahlungen ins Blaue hinein“, Hellweger Anzeiger, 19.1.2026, https://www.hellwegeranzeiger.de/unna/kreis-unna-geht-mit-reinoldus-ins-gericht-w1139618-1001593577/

Jessica ist die Geschäftsführerin der aktion ./. arbeitsunrecht.
Als Influencerin und Autorin bekämpft sie Unternehmerkriminalität und Union Busting. Jessica moderiert mit Elmar Wigand die Sendung arbeitsunrecht FM. Jessica schreibt als freie Journalistin für die Tageszeitung junge Welt und andere Medien. Sie hält Vorträge und berät Gewerkschaften, Betriebsräte und Betriebsratsgründer*innen.



