ZDFzoom: Arbeitskonflikt bei Flink im TV. Martin Bechert + Elmar Wigand als Experten

0
3048

Schöne neue Welt: Sehenswerter Beitrag zu Arbeitsbeziehungen in der Plattform-Ökonomie.

Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht kommen im ZDF zu Wort.

In der Reihe ZDFzoom strahlte das ZDF am  09. Februar 2023 um 00:40 Uhr ein 29-Minuten-Feature von Arne Lorenz über Arbeitsbedingungen in der Plattform-Ökonomie aus. Der Beitrag ist bis zum 8.2.2025 in der ZDF-Mediathek zu sehen.

In dem Feature Plattform, Lieferdienst und Co. Wie fair ist die neue Arbeitswelt?“ kommen der Presse-Sprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht, Elmar Wigand, und ein Vorstandsmitglied des Vereins, Martin Bechert, umfangreich zu Wort. Eine Betriebsratsgründung bei Flink in Berlin, die vom Management mit Hilfe der Union Busting-Kanzlei Pusch Wahlig zeitweilig erfolgreich sabotiert wurde, nimmt größeren Raum ein.

Flink hatte die Herausgabe eine Wählerliste für die Wahl explizit verweigert. Ein aufgepeitschter Anti-Betriebsratsmob versuchte am 5. September 2022 die Wahlversammlung unter den Augen des Flink-Teilzeit-Pressesprechers Boris Radke gezielt im Chaos zu versenken. Gerichtliche Auseinandersetzungen in der Sache dauern an. (Abonnieren Sie unseren Newsletter, um auf dem Laufenden zu bleiben!)

Martin Bechert ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er vertritt Betriebsräte von Gorillas und Betriebsratsgründer*innen von Flink.
Martin Bechert ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er vertritt unter anderem den Betriebsrat von Gorillas und Betriebsratsgründer*innen bei Flink.

„Diese Algorithmen vertreten halt nur die Belage der Unternehmen. Und deshalb ist es so eine entmenschlichte Arbeitswelt, die da entsteht.“


Aus erster Hand informiert sein? Profis lesen Emails.
Jetzt den kostenlosen Email-Newsletter der aktion ./. arbeitsunrecht ► bestellen

„Wir müssen uns immer vorstellen: Das sind prekär beschäftigte Menschen; die leben von der Hand in den Mund. Das heißt die brauchen wirklich jeden Euro dringend, um Miete zu bezahlen, um Essen zu kaufen.“

„Für Migranten ist schwieriger, zum Gericht zu gehen. Die haben da unglaubliche Ängste, dass es ihre Visa gefährdet.
Es gibt zwar Prozesskostenhilfe — früher hat man das „Armenrecht“ genannt. Das heißt, dass der Staat den Anwalt bezahlt. Das Formular ist aber nur in deutsch. Es gibt also ganz praktische Probleme und deswegen klagen die nicht so häufig. Und ich glaube, das wissen auch die Lieferdienste.“

„Aus meiner Sicht ist es imer auch eine entmenschlichte Arbeitswelt. Weil viele Entscheidungen, die ansonsten in Betrieben auf persönlicher Ebene oder jedenfalls durch Menschen getroffen werden, die auch immer einen Blick für das Soziale haben, auf Computer-Algorithmen verlagert werden. Diese Algorithmen werden prinzipiell nicht auf soziale Belange eingestellt, sondern die vertreten nur die Belange der Unternehmen.“

„Mitbestimmung a la Flink heißt Ops Committees. Und das ist ein formalisiertes Betteln. Die Arbeiter dürfen sich dort beschweren und dann reden die Ops Committees mit den Chefs. Das hat mit Betriebsrat und demokratischer Interessenvertretung nichts zu tun.“

Elmar Wigand ist im Nebenjob für Flink gefahren und versucht mit anderen einen Betriebsrat zu gründen. Er streitet für seine Wiedereinstellung.
Elmar Wigand ist im Nebenjob für Flink gefahren und versucht mit anderen einen Betriebsrat zu gründen. Er streitet für seine Wiedereinstellung.

„Solange wir nicht selber unsere eigene Stärke entwickeln, uns zusammen schließen, sind wir austauschbar. Und genau das wollen sie auch und so behandeln sie uns auch.“

„Es wird damit geworben, dass man flexible Arbeitszeiten hat, dass man seine Wünsche äußern kann. Aber wenn’s dann darauf ankommt, geht das nicht. Es gibt zahlreiche Kollegen, die sich einen Krankenschein holen, einfach deshalb weil sie in einer bestimmten Woche nicht können oder wollen und dann kein frei kriegen. Das ist ständiges Thema.“

„Beim Schneematsch hier in Berlin sind Leute gestürzt und sind dann weiter gefahren. Es wird — auch wenn Sturm ist — viel zu spät und viel zu selten die Arbeit eingestellt.“

„Der Algorithmus selber, oder die App, erfasst alles, was Du da machst. Also wo Du lang fährst. Du bist im Grunde komplett überwacht. Und dann können sie auch noch sehen, wer macht wieviele Bestellungen. Es gibt auch noch ein Belohnungssystem in vielen dieser Unternehmen.“

„Flink braucht ganz sicher einen Betriebsrat. Da müssen gute Arbeitsbedingungen erstmal hergestellt werden. Die Beschäftigten müssen eine Form haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und auch gegenüber dem Management durchzusetzen.“

Kurz zu sehen ist eine Konfrontation zwischen Elmar Wigand und Boris Radke (Flink Teilzeit-Pressesprecher) am Rande der Wahl eines Wahlvorstands zur Betriebsratswahl am 5. September 2023:

„Wir kennen doch Ihr Drehbuch, Herr Radke!“


Quelle:

Arne Lorenz: Plattform, Lieferdienst und Co. Wie fair ist die neue Arbeitswelt?“ , TV-Feature, Nordcam Media, 29:00 Minuten. Erstaustrahlung: 9.2.2023 im ZDF. 


Schön, dass Sie da sind!

Der Verein aktion ./. arbeitsunrecht e.V. stellt alle Inhalte kostenfrei und ohne Werbung zur Verfügung. Wir sind unabhängig von Stiftungen, Parteien, Gewerkschaften und staatlicher Förderung. Helfen Sie uns dabei, sorgenfrei über die Runden zu kommen!
Damit wir auch in Zukunft unbequeme Nachrichten verbreiten können: Bitte spenden Sie! !
Vorheriger ArtikelUnion Busting-News 3/23: Hotel Wartburg, Sixt, TK Maxx, Malta Air, Lehrkräftemangel
Nächster ArtikelUnion Busting-News 4/23: Hello Fresh, Spotify, Amazon, Zugkatastrophe Ohio