Frontberichte 4. KW

0
1124

ArbeitsUnrecht und Union-Busting in Deutschland vom 22. – 29. Januar 2013

Eine Auswahl von Berichten über folgende Unternehmen:

Ulm/Uniklinik mobbt Ersatz-Betriebsräte +++ Jena/Schleswig-Holstein/Dänisches Bettenlager entlässt gleich 5 Betriebsräte, nun wurde in einem Fall ein Vergleich geschlossen +++ Lübeck/Reederei Peter Deilmann vs. Traumschiffkapitän +++ Forchheim/Stadtwerke luden dem Betriebsratsvorsitzenden mehr Arbeit auf

Ulm/RKU: 4 Ersatzmitglieder des Betriebsrates sollen offensichtlich aus dem Betrieb der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) gemobbt werden. Drei Haustechniker sind laut Presse ab 02.01. 2013 bereits in die Bettenzentrale versetzt worden, wo bis dahin 2 Personen tätig gewesen seien. Zu den nun 5 Mitarbeitern, die Betten abziehen und säubern, soll in Kürze noch ein Medizintechniker stoßen, um das plötzlich enorm gewachsene Team der Bettenbezieher zu unterstützen.

Dass es sich bei der Versetzung der Ersatz-Betriebsräte auf nicht adäquate Arbeitsplätze um Mobbing handeln könnte, wird von Rainer Schoppik, momentan Vorsitzender der RKU-Gesellschafterversammlung (Sana und Uniklinikum sind je zur Hälfte am RKU beteiligt) erstaunlich ehrlich komentiert: „Mit dieser Vermutung könnte man Recht haben, aber ich kann das nicht bestätigen.“  RKU-Pressesprecher Stephan Schwarz dagegen sieht sich mit einer Stellungnahme überfordert, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Auch die RKU-Geschäftsführung hat sich gegenüber dem Betriebsrat noch nicht erklärt.

Insgesamt sollte bei der RKU 75 Mitarbeiter gekündigt werden. In dieser Situation ist der Geschäftsleitung wohl daran gelegen, den Betriebsrat einzuschüchtern und zu schwächen. Dabei könnte man meinen, dass die RKU ein geradzu fürsorglicher Arbeitgeber ist.  Unter Geschäftsführer Dr. Uwe Gretscher werden den Mitarbeitern Jobangebote als Leichenträger oder Pizzafahrer gleich per Post ins Haus geschickt. Selbstredend ist es den Mitarbeitern auch freigestellt, einfach einen neuen Vertrag mit einem um ein Viertel niedrigerem Gehalt zu unterschreiben.


Aus erster Hand informiert sein? Profis lesen Emails.
Jetzt den kostenlosen Email-Newsletter der aktion ./. arbeitsunrecht ► bestellen

Weniger Probleme als die Geschäftsführung Stellung zu beziehen hatten schon im Oktober 3400 Unterzeichner, die einen Aufruf der Mitarbeiter und des Betriebsrates zum Erhalt der Stellen unterschrieben hatten.

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Betriebsrat-RKU-Geschaeftsfuehrer-versetzt-Haustechniker-auf-unangemessene-Stellen;art1158544,1830844

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Lust-auf-Leichentraeger;art4329,1761297

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/3400-Buerger-fuer-Erhalt-der-RKU-Stellen;art4329,1681577

+++

Jena/Schleswig Holstein: Die Kette Dänisches Bettenlager mit Sitz in Schleswig-Holstein, hat sich vor dem Jenaer Arbeitsgericht mit einem gekündigten Betriebsrat auf einen Vergleich geeinigt, über den Stillschweigen vereinbart wurde. Der Möbelhändler hatte letztes Jahr gleich 5 Betriebsräten gekündigt. Ver.di geht davon aus, dass kritische Betriebsräte mundtot gemacht werden und Druck auf das Gremium ausgeübt werden soll. Dies scheint mit Blick auf das nun aufgelöste Arbeitsverhältnis dieses Betriebsrates und den geschlossenen Vergleich leider tatsächlich gelungen zu sein.

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/thueringen/article113282435/Moebelhaendler-kuendigt-Betriebsrat.html

+++

Die Reederei Peter Deilmann hat ihrem langjährigen Traumschiff-Kapitän Andreas Jungblut fristlos gekündigt. Im Mai 2012 hatte die Reederei bekannt gegeben, dass die MS Deutschland aus Kosten- Und Wettbewerbsgründen in Zunkunft unter der Flagge Maltas kreuzen sollte. Der öffentliche Widerstand des Kapitäns Andreas Jungblut war erfolgreich. Die Reederei hat mittlerweile von dem Vorhaben abgelassen. Grund für die fristlose Kündigung, die am Januar vor dem Arbeitsgericht Lübeck verhandelt wurde, waren nun „wiederholte Fälle von illoyalem Verhalten und Vertrauensbruch“. Stein des Anstoßes war der Reederei zufolge ein Artikel der „Bild“-Zeitung Ende Oktober, in dem Jungblut von einem Besuch koreanischer Investoren berichtete. Am 05.04.2013 geht das Verfahren in die nächste Runde.

http://www.welt.de/newsticker/news3/article113137848/Streit-um-Kuendigung-des-Traumschiff-Kapitaens-geht-weiter.html

http://www.bild.de/news/inland/ms-deutschland/kapitaen-vom-traumschiff-gejagt-25351954.bild.html

+++

In Forchheim hatte man die Idee, den Betriebsratsvorsitzenden einfach mit neuen Aufgabengebieten zu betrauen, um ihn von effektiver Betriebsratsarbeit abhalten zu können. Nun hat man eine außergerichtliche Lösung des Konflikts gefunden, über die allerdings nichts genaues zu erfahren ist.

http://www.nordbayern.de/region/forchheim/konflikt-mit-betriebsrat-stadtwerke-wollen-klaren-1.2647271

 


Schön, dass Sie da sind!

Der Verein aktion ./. arbeitsunrecht e.V. stellt alle Inhalte kostenfrei und ohne Werbung zur Verfügung. Wir sind unabhängig von Stiftungen, Parteien, Gewerkschaften und staatlicher Förderung. Helfen Sie uns dabei, sorgenfrei über die Runden zu kommen!
Damit wir auch in Zukunft unbequeme Nachrichten verbreiten können: Bitte spenden Sie! !
Vorheriger ArtikelNeupack und Rowa: Betriebsrat unerwünscht
Nächster Artikel(Galgen-) Humor am Montag