der Freitag: Elmar Wigand über Claus Weselsky

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Unser Pressesprecher Elmar Wigand portraitiert GDL-Chef Claus Weselsky in der Wochenzeitung „der Freitag“ 29/2021.

Grundlage war ein langes Interview mit dem Bahn-Gewerkschafter für unsere Sendung arbeitsunrecht FM Nr. 27.


Der Signalmeister

Porträt Gewerkschaftschef Claus Weselsky steuert die GDL in einen neuen Streik zur Ferienzeit. Auch Lokführer sind systemrelevant, sagt er

Claus Weselsky will es noch mal wissen. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) droht mit einer „harten Auseinandersetzung“. Statt vereinzelter Warnstreiks gibt es gleich eine Urabstimmung über einen richtigen Streik, am 9. August wird ausgezählt, danach könnte man loslegen. Mitten im Reiseverkehr, kurz vor der Bundestagswahl.

Wie wird die Sache diesmal ausgehen? Auf dem Höhepunkt der letzten GDL-Streiks prasselte ein mediales Trommelfeuer auf die Gewerkschaft und ihren Vorsitzenden ein, als sei die GDL von einem Schurken aus James-Bond-Filmen gekapert worden, um – einem perfiden Plan folgend – die deutsche Wirtschaft zu ruinieren und unschuldige Pendler wie brave Urlaubsreisende als Geiseln zu nehmen. In der Hauptrolle ein frecher, stolz sächselnder Ossi aus Leipzig mit CDU-Parteibuch.


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Der „Bahnsinnige“, wie ihn die Bild genannt hat, sagt im Interview Anfang Juli über den letzten Streik: „Sie sehen, dass ich sechs Jahre danach immer noch gesund und munter und mit meinen 62 Jahren, zumindest sagt das mein Umfeld, durchaus agil unterwegs bin. Deswegen sage ich, dass es mir nicht geschadet hat. Das hat den Lokomotivführern nicht geschadet. Das hat den GDL-Mitgliedern nicht geschadet. Und das hat auch einen Grund. Die veröffentlichte Meinung stimmte nicht überein mit der öffentlichen Meinung.“

Was ihm damals nicht geschadet haben soll, ist die Art, wie Teile der Medien über seine Rolle in dem viereinhalbtägigen Streik im Herbst 2014 berichteten. Focus Online schrieb: „Er ist aktuell wohl der meistgehasste Deutsche“, ein „Hardliner“, ein „harter Hund“, „kompromisslosester Arbeiterführer“ einer „Kampfgewerkschaft“, der, von „Machtgelüsten“ getrieben, den „Zorn von Millionen“ auf sich ziehe und zu allem Überfluss in einem „schmucken Altbauhaus“ lebe. Obendrein wurde damals seine Privatadresse veröffentlicht, was neben einer Rüge durch den Presserat auch zu Morddrohungen und der Notwendigkeit von Polizeischutz führte.

Weselsky sagt zwar, das habe ihm nicht geschadet, doch „nachhaltige Wirkung“ hätten die Berichterstattung und ihre Folgen sehr wohl auf ihn gehabt. Er habe „nach der Auseinandersetzung auch besondere Methoden angewendet, um mich wieder wohler zu fühlen“, darunter eine Ayurveda-Kur.

Ob sich diesen Sommer der Streik und mit ihm auch die Darstellung des einzigen Ostdeutschen an der Führungsspitze einer gesamtdeutschen Gewerkschaft als Superschurken wiederholen wird? Zwei Dinge könnten einen Streik noch verhindern: ein negatives Votum der GDL-Mitglieder bis zum 9. August. Oder ein Einlenken des Bahn-Managements. Beides gilt als unwahrscheinlich, zumal eine dritte Kraft zwischen der GDL und der Führung der Deutschen Bahn steht. Die DGB-Gewerkschaft EVG wurde vom Management für die Rolle der „good guys“ aufgebaut, während die GDLer die „bad guys“ abgeben sollen. Weselsky sagt dazu: „Wenn die Bahn mit uns ernsthaft einen Abschluss machen will, der nah an diesem Schreckensszenario liegt, das das DB-Management mit einer anderen Truppe abgeschlossen hat, dann treibt sie uns gezielt in diesen Arbeitskampf.“

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