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Tesla gegen die rote Gefahr – Gewerkschaftsfeindlichkeit im Vorfeld der Betriebsratswahlen 2026

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Zwei Quizfragen zum Einstieg: A) Was haben Amazon und Tesla gemein? B) Und was hat Elon Musk mit Henry Ford gemein? A) Beide Tech-Giganten und Game-Changer verhandeln prinzipiell nicht mit Gewerkschaften und behaupten dreist, dies sei ihr gutes Recht. B) Beide sind bzw. waren erklärte Faschisten. Über die sogenannte Firmenphilosophie schleicht sich derzeit ein „Recht auf ein bisschen Faschismus“ in die bürgerliche Presse, etwa in die Berichterstattung der FAZ über den bevorstehenden Showdown zwischen Tesla und der IG-Metall am Standort Grünheide bei der Betriebsratswahl 2026. Stefan Paravicini zitiert den Standortleiter André Thierig: „Wir haben noch nie mit der IG Metall verhandelt und werden das auch in Zukunft nicht tun.“ „Dass wir nicht mit Gewerkschaften zusammenarbeiten, ist eine Position, die der Konzern weltweit vertritt.“ Paravacini scheint das ganz normal zu finden, er schreibt nonchalant weiter: „Das Nichtverhältnis, das Musk zu Gewerkschaften pflegt und zur Konzernphilosophie erhoben hat, ist bekannt.“

Aber muss man gleich mit der Faschismuskeule kommen? Vielleicht nicht mit der Keule, eher mit dem Skalpell. Es gilt die Argumentation sauber zu sezieren. Prinzipielle Feindschaft gegenüber Gewerkschaften ist ein notwendiges Kriterium für Faschismus – anders als Judenhass übrigens. Ein gewerkschaftsfreundlicher Faschismus ist nicht denkbar, ein philosemitischer oder gar anti-antisemitischer Faschismus sehr wohl. Die Zerschlagung unabhängiger Gewerkschaften ist stets und immer ein erstes Ziel. Ob in Spanien, Südafrika, Chile oder der Türkei. In Deutschland war es drei Monate nach der Machtübernahme der NSDAP soweit und es gibt sogar einen direkten Link zum Automobil. Die Gewerkschaften wurden am 2. Mai 1933 zerschlagen, aus ihren konfiszierten Kassen wurden das „Kraft durch Freude-Werk“, heute Volkswagen, aufgebaut und die dazu gehörige Stadt Wolfsburg aus dem Boden gestampft – nach dem Vorbild von River Rouge, der Riesenfabrik Henry Fords in Detroit. Gewerkschaftsfeindlichkeit ist andererseits kein hinreichendes Kriterium für Faschismus: Auch im marxistisch-leninistisch fundierten Realsozialismus waren unabhängige Gewerkschaften nicht vorgesehen. Allerdings aus anderen Gründen. (Wir teilen sie nicht.)

Kleiner Schlenker zum Fußball: Ein Freund bemerkte neulich, diese unfassbare Weinerlichkeit der Faschisten. Sie fühlen sich wegen ihrer Meinung diskriminiert! Es ging um die Frage, ob und wie wir einen erklärten AfD-Anhänger aus unserem 1. FC Köln-Fanclub ausschließen sollten. Damit er und sein Mitläufer eine Minderheit bleiben, keine Gewöhnung eintritt und sie aufhören, uns mit ihrem toxischen Dreck den Spaß zu verderben. Aber dann geht das Geheule los! Leute fühlen sich diskriminiert, weil sie andere nicht diskriminieren dürfen… Und bei manchen, die „unpolitisch“ sind, verfängt dieses absurde Theater auch noch.

Wir erwarten dieses Geheule in Zukunft auch von Tesla. Immerhin ist die IG Metall schon so stark, dass sich die Werksleitung gegenüber der Belegschaft intensiv mit ihren Forderungen auseinander setzen muss. Eine diskursive Auseinandersetzung bedeutet die Aufwertung zum satisfaktionsfähigen Gegner.


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Jan Otto, der neue IG-Metall Boss von Berlin, Brandenburg und Sachsen hat einen Tarifvertrag mit Tesla zur Chefsache erklärt. Da hat er sich was vorgenommen: Die Gewerkschaftsfeindlichkeit von Tesla ist ein ideologisches Dogma, oder gar ein antikommunistischer Fetisch. Hier geht es nicht mehr um wirtschaftliche Rationalität. Als reichster Mann der Welt verfügt Elon Musk über die Ressourcen, um sein paranoid-größenwahnsinniges Weltbild erbittert zu verteidigen. Aber womöglich steht auch dieser Riese nur auf tönernen Füßen.


Der Union Busting-Monitor erscheint als monatliche Kolumne in der Tageszeitung junge Welt.

Jessica Reisner & Elmar Wigand: Tesla gegen die rote Gefahr, junge Welt, 23.10.2025, https://www.jungewelt.de/artikel/510979.union-busting-monitor-tesla-gegen-die-rote-gefahr.html



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