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Start DIE KOLUMNE | so süß wie maschinenöl... Arbeit, Ökonomie & Alltag

Jetzt also Krise. Rezession in Deutschland. Also doch!

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Dass dieses Land ziemlich am Arsch ist – ausgelaugt, überarbeitet, marode, ideenarm, phantasielos, –, diese Erkenntnis ist ja nichts Neues.

Grafik "so süß wie maschinenöl" von Roy Brick
„so süß wie maschinenöl… arbeit, ökonomie und alltag“ ist eine Kolumne von von Elmar Wigand für arbeitsunrecht FM und die Graswurzelrevolution Nr. 493, Juni 2025.  (Grafik: Roy Brick)

Deutschland zeigt viele Stimmungen, die bei Individuen als Anzeichen einer Depression gelten. Erstaunlich ist, wie „die Medien“ die Krise, die mit dem Wegfall des billigen russischen Gases unweigerlich einsetzen musste, erst ignorierten oder systematisch herunter beteten. Darauf weist der Mannheimer Ökonom Tom Krebs in einem Gast-Essay im Handelsblatt hin.

Während beinahe nirgendwo zu lesen war, dass „die Arbeitnehmer in Deutschland 2022 die höchsten Reallohnverluste der Nachkriegsgeschichte hinnehmen mussten“. Krebs schreibt weiter: „Die Energiekrise 2022 war in diesem Sinn die schwerste Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte; er diagnostiziert, dass die führenden deutschen Ökonomen in einer „marktliberalen Märchenwelt lebten“ oder in einer „Traumwelt, die sehr wenig mit der ökonomischen Realität der Menschen in Deutschland zu tun“ habe.1

Die führende Ökonomen-Clique und die Meinungsmacher*innen in ihrem Schlepptau spielten die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt, die Abhängigkeit der BASF und ihresgleichen von billigem russischen Gas, offenbar systematisch herunter, um die Wehrkraft und Opferbereitschaft der deutschen Bevölkerung im Ukraine-Krieg nicht zu zersetzen. Um jetzt auf einmal komplett umzuschalten:

Krise, Krise, Krise.

Elmar Wigand ist Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht e.V. Er ist Autor und Referent. Er berät Betriebsräte und Gewerkschafter*innen.

Diese Massen-, Leit-, Qualitäts- und Mainstream-Medien, die aus Gründen, die mir immer noch nicht vollständig einleuchten, wie auf Knopfdruck plötzlich immer alle das Gleiche fabrizieren, und den intelligenten und wissbegierigen Zuhörer systematisch mit einer Agenda penetrieren – ich rede mal ganz unbescheiden von mir – der ich morgens im Bett dämmere und bei Aufwachen eigentlich ziemlich gerne Radio höre.


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Diese verdammten Medien, die Teil des Problems sind!

Nennen wir es mal Vertrauenskrise oder vollständige Abspaltung von der Realität der meisten arbeitenden Menschen und ihrer wirklichen Sorgen. (Ich vermisse ein gutes Radioprogramm so sehr! Ich finde im deutschsprachigen Raum eigentlich nichts, was ich wirklich gut finde. Über die wackere Amy Goodman aus New York und ihre tägliche Democracy now!-Sendung habe ich heute beispielsweise erfahren, dass in Madrid am 13. Oktober 150.000 Leute gegen Immobilienspekulation und Portale wie AirBnB und booking.com demonstriert haben.2 Deutschen Radios keine Meldung wert. Aber das ist ein anderes Thema. Wer mit mir an einem guten deutschsprachigen Radiosender nach Vorbild von Radio Popolare aus Mailand arbeiten will, bitte melden!)

Zurück zum Krisengetrommel, das offenbar in Form einer Kampagne ab September 2024 einsetzte.

Ich vermute, es ist Teil des CDU-Bundestagswahlkampfs.

Startschuss war VW.

Die unvorstellbare, unfassbare, nicht für möglich gehaltene Nachricht: VW droht mit Entlassungen!

Da war also, ich glaube (es war noch früh vor dem Kaffee), Siegfried Russwurm im Morgenradio-Interview – als BDI-Präsident oberster deutscher Wirtschaftslobbyist (neben dem Betriebsratsfresser Rainer Dulger vom BDA). Was er sagte, war erwartbar. Interessant war, wie er es sagte. Er trat gegenüber dem Moderator auf, als würde ihm der Sender gehören. (Womöglich kennt man sich aus irgendwelchen Kreisen.)

Zweitens schien sich Russwurm irgendwie auf die Krise zu freuen.

Eine Krise ist gut für die Großen, die übrig bleiben.

Kaputt gehen die in der Mitte, leiden tun die Kleinen, die Beschäftigten. Die Krise bietet den Mächtigen die Chance für eine Wiederauflage der Agenda 2010. Weg mit Reformen und Vorschriften oder gar Demokratisierung der Arbeitswelt! Wir sollen wieder Angst um unsere Jobs haben, anstatt nach besseren Arbeitsbedingungen, bezahlbarem Wohnraum, ökologischem, nachhaltigem Nahverkehr, gutem Essen zu fragen. Und was fordert die CDU um aus der Krise zu kommen? „Die Steuerbelastung für einbehaltene Gewinne sollte auf 25 Prozent reduziert werden.“ Es gibt zu wenig Investitionen in Deutschland, aber Blackrock-Merz will stärkere Anreize setzen, die Gewinne einzubehalten…. Und traut sich damit unter dem Titel „Wege aus der Wirtschaftskrise“ auch noch an die Öffentlichkeit.3


Anmerkungen & Quellen

1 Tom Krebs: Wie Ökonomen und Regierung die Wirtschaftskrise ignorierten, Handelsblatt, 11.10.2024.

2 Up to 150,000 Protest in Spain Calling for Affordable Housing While Blaming Airbnb for Rising Rents, democraynow.org, 14.10.2024, https://www.democracynow.org/2024/10/14/headlines/up_to_150_000_protest_in_spain_calling_for_affordable_housing_while_blaming_airbnb_for_rising_rents

3 Wege aus der Wirtschaftskrise, CDU, 16.8.2024, https://www.cdu.de/artikel/wege-aus-der-wirtschaftskrise


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