Das Problem der DB ist ihr Management. Martin Seiler muss weg!

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Ein Kommentar zum Bahnstreik.

Ich unterstütze die GDL im Arbeitskampf gegen das DB-Management. Aus praktischen wie aus grundsätzlichen Überlegungen.

Foto Elmar Wigand, Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht.
Elmar Wigand ist Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht.

Die Kernforderung der GDL ist für alle Lohnabhängigen nachvollziehbar: Eine Reduzierung der Arbeitsbelastung für Schichtarbeiter*innen auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Dazu eine 5-Tage-Woche statt bisher 6-Tagen.

Was soll an der 35-Stunden-Woche schlecht sein?

Gibt es Schichtarbeiter*innen in Deutschland die dagegen wären? Bei der Feuerwehr? Bei den Berliner Bäderbetrieben, im Duisburger ThyssenKrupp-Stahlwerk, bei Daimler am Fließband, im Altenheim oder im Rettungswagen?

Solidarität mit der GDL! Das obern stehende Bild kann zur freien unkommerziellen Verwendung auf social media verwendet werden. Lizenz

Gibt es unter Arbeitsmedizinern oder Industriesoziologen dazu geteilte Meinungen?

Schichtarbeit ist eine enorme Belastung für Körper und Seele. Schichtarbeit zerstört das soziale Umfeld der Arbeiter*innen. Deshalb sollte Schichtarbeit die Ausnahme sein, nicht die Regel. Deshalb muss Schichtarbeit wesentlich höher bewertet werden als bisher üblich.

Es gibt einen unauflösbaren Interessengegensatz zwischen Arbeit und Kapital, der manchmal auch mit harten Bandagen ausgefochten werden muss. Wenn wir genau hingucken, existiert dieser Gegensatz im gegenwärtigen Konflikt um die 35-Stunden-Woche nicht einmal.


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Der Bahn laufen die Leute weg

Es fehlt der Bahn an Fachkräften — also an Leuten, die echte Arbeit vollbringen und den Laden am Laufen halten — während das Top-Management vermutlich keine Nachwuchssorgen kennt. Wer will nicht gern für 216.000 Euro im Jahr am Konferenztisch Kaffee trinken und bei redundanten Power-Point-Präsentationen gemütlich wegdösen?

Auf der anderen Seite wissen die Lokführer und andere hart arbeitende Menschen bei der Bahn, was sie können und was sie wert sind. Sie wechseln zu Unternehmen, in denen sie besser behandelt werden. So wirbt der Regionalbahn-Betreiber National Express im Ruhrgebiet derzeit offensiv mit einem GDL-Tarif um Mitarbeiter.1

Job attraktiv machen, statt Beschäftigte auszupressen!

Ein kluges Management könnte von selbst auf die Idee kommen, die Arbeit so lange immer attraktiver zu machen, bis die Leute nicht flüchten oder krank werden, sondern richtig Bock auf den Job haben.

Doch DB-Personalvorstand Martin Seiler verfolgt offenbar eine andere Strategie: Wenn das Personal knapp ist, müssen die vorhandenen Leute einfach noch effizienter und intensiver ausgepresst werden wie die Zitronen. Bis sie irgendwann leer sind. Reha und Berufsunfähigkeit zahlen dann die Sozialkassen….

Das DB-Management ist aufgebläht, unfähig, überheblich.

Entrückt von der Realität kreist das Bahn-Management in einem selbst geschaffenen Paralleluniversum aus hunderten Tochterfirmen um sich selbst.

Business Insider enthüllte am 9. März 2023, dass sich der so genannte obere Führungskreis (OFK 1) vor einem Jahr mal eben einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genehmigt hat. 14 Prozent mehr. 216.000 Euro Grundgehalt, statt bisher 190.000 Euro. Der OFK 1 der Deutschen Bahn hat 3.000 dieser Leute.2 In ihre Taschen wandern demnach 648 Millionen Euro pro Jahr! Minimum. Hinzu kommen gerne mal 30% Aufschlag durch Boni.

Und dann noch DB-Personalvostand Martin Seiler – ein ehemaliger Verdi-Gewerkschafter, der offensichtlich als Manager der Deutschen Post von McKinsey3 zum Gewerkschaftsfresser umgepolt wurde.

Seiler und seine Leute treffen auf einen GDL-Chef Weselsky, der sie mit saftigen Worten geißelt als „Nieten in Nadelstreifen“.

Vermutlich liegt hier das Problem: Der DB-Vorstand schaltet auf stur, weil er von der GDL öffentlich bloß gestellt wird. Dabei sagt Weselsky – wenn auch manchmal etwas unhöflich – nur die Wahrheit:

Das Problem der DB ist ihr Management. Martin Seiler muss weg!


Der Kommentar erschien in leicht gekürzter Form am 6. März 2024 in der Tageszeitung nd.


Quellen / Anmerkungen

1 „Profitiere von: leistungsgerechter Bezahlung auf Basis des GDL-Tarifvertrags für z.B. betriebliches Personal“ https://job.nationalexpress.de/de/jobs , abgerufen 5.3.2023

2 Jan C. Wehmeyer: Interne Unterlagen enthüllen: Deutsche Bahn erhöht Managern das Grundgehalt um bis zu 14 Prozent und stellt das Bonusprogramm um, Business Insider, 9.3.2023, https://www.businessinsider.de/wirtschaft/deutsche-bahn-top-manager-kriegen-deutlich-mehr-grundgehalt/

3 Die Deutsche Post AG / DHL ist ein Art Kolonie der mächtigsten Beratungsfirma der Welt McKinsey & Company . Die Vorstandsvorsitzenden Tobias Meyer, Frank Appel und der vorbestrafte Klaus Zumwinkel kamen von McKinsey. Ganze Etagen des oberen und mittleren Postmanagements sollen mit Mackies befüllt sein. McKinsey wird eine sektenartige Struktur und hoch aggressive Wirtschaftsphilosophie nachgesagt. ( Constantin Gillies: Kult statt Hierarchie: Business-Sekten boomen, Handelszeitung, 21.10.2025 ) Skandalöse Fälle, in die McKinsey involviert war, finden sich z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/McKinsey_%26_Company#Kritik


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