Gewerkschaftsliste „Fight for your Right“ mit Hilfe von Union Bustern zerschlagen. Götz Brot reduziert Belegschaft um fast 10 %

Brot zu backen war immer schwere Arbeit - was Wolfgang Götz aus dem Berufsstand der Bäcker macht, finden wir jedoch kriminell.
Brot zu backen war immer schwere Arbeit – was Götz Brot aus dem Berufsstand der Bäcker macht, finden wir jedoch kriminell. (Bild: wikicommons, Ständebuch von 1568)

Die Götz Brot KG aus Würzburg ist auf industrielle Massenware spezialisiert und liefert u.a. Aufback-Brezeln für die Back-Automaten von Aldi-Süd. Der mehrfach gekündigte Betriebsratsvorsitzende Torben A. und seine ebenfalls wegen Betriebsratstätigkeit unter Druck geratene Kollegin Alina I. (wir berichteten) beenden zum 31. Juli 2014 ihr Arbeitsverhältnis beim fränkischen Brot-Back-Mogul Götz. Damit sind zwei treibende Kräfte einer gewerkschaftsnahen Betriebsratsliste nach monatelangem Kampf erfolgreich zermürbt und aus dem Unternehmen entfernt worden.

Die beiden Betriebsratsmitglieder sollen Abfindungen und gute Zeugnisse erhalten. Einen generellen Maulkorb-Paragraphen, der es den geschassten Gewerkschaftern verbietet, über ihre Erfahrungen zu sprechen, soll es in diesem Fall von Abfindungsregelung jedoch nicht geben.

Die anhängigen Strafanzeigen gegen Wolfgang und Kathja Götz bleiben – so ist aus Kreisen der Gewerkschaft NGG zu hören – dennoch bestehen. Ebenso bleiben wir bei unserer Meinung, dass es sich bei diesen patriarchalen Unternehmern aus der Familie Götz um Kriminelle handelt.

Geschäftsführer Wolfgang Götz und seine Tochter Kathja hatten die Betriebsratswahlen und die Arbeit des neu gewählten Betriebsrats von Anfang an so massiv gestört, dass sich beide eine Anzeige nach § 119 Betriebsverfassungsgesetz eingehandelt haben. Danach steht auf die Behinderung der Betriebsratsarbeit bis zu einem Jahr Haftstrafe. Wolfgang Götz setzte zur Durchsetzung seiner Ziele ausgerechnet auf den berüchtigten Betriebsratsfresser Helmut Naujoks, der seit spätestens 2007 (durch einen Artikel von Uwe Ritzer, Süddeutsche Zeitung) für seine unsauberen und menschenverachtenden Methoden bekannt ist. Auch gegen Betriebsratsmitglieder von Götz Brot brachte der Arbeitsrechts-Rambo sein volles Arsenal zum Einsatz: Wahlanfechtung, willkürliche Versetzung, Abmahnungen, konstruierte Kündigungen mit hanebüchenen und ehrabschneidenden Kündigungsgründen, Strafanzeigen, Hausverbote in allen Filialen, Diffamierung und Spaltung der Belegschaft.

Zuckerbrot für Abweichler – Mitarbeitergespräche für mutmaßliche Gewerkschafts-Sympathisanten

Was die Spaltung der Belegschaft angeht, war Wolfgang Götz offensichtlich besonders erfolgreich. Bereits zu früheren Verhandlungen soll er zahlreiche Angestellte in eigens gedruckten Anti-NGG-T-Shirts zum Gericht kutschiert haben. Um weitere Teile der Belegschaft hinter sich zu bringen, scheint er zu recht banalen Mitteln gegriffen haben. So soll der befristete Vertrag einer Tochter eines Betriebsratsmitglieds mit Hinweis auf die gewerkschaftliche Tätigkeit der Mutter nicht verlängert worden sein. Einem Betriebsratsmitglied mit befristetem Vertrag soll dagegen eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt worden sein. Mitarbeiter, die auf Facebook mit dem Betriebsratsvorsitzenden befreundet waren oder Artikel über die Vorgänge bei Götz Brot geliked oder weitergeleitet hatten, sollen allesamt persönlich vom Chef aufgesucht worden sein. Selbst ein Verlinken durch Partner von Beschäftigten zog angeblich diese Art von Mitarbeitergespräch nach sich.  Mit diesem Vorgehen und seinen Willkürentscheidungen schuf Wolfgang Götz genau das Klima der Angst, denen die NGG-nahe Liste „Fight for your right“ hatte entgegentreten wollen.

Anstatt sich angewidert von ihrem Chef abzuwenden und sich umso engagierter für eine Änderung der Machtverhältnisse im Betrieb einzusetzen, haben sich einige Mitglieder der Liste „Fight for your right“ anscheinend durch Druck vom Chef drehen lassen.

Augenwischerei: Die Aufhebung des Naujoks-Mandats

Ihre Entscheidung, den Betriebsratsmitgliedern zum eigenen Vorteil in den Rücken zu fallen und der mangelhafte Rückhalt in der Belegschaft haben dem Streit die letztlich fatale Wendung gegeben. Als Götz seinen Sieg sicher in der Tasche zu haben glaubte, trennte er sich nach außen hin von Helmut Naujoks und wollte dieses taktische Manöver als Entgegenkommen gewertet wissen. Statt Naujoks betraute Götz nun Anwältin Dörthe Leopold  (Kanzlei Mottl, Wilhelm, Leopold, Gurk, Sues). Kurz vor dem Gerichtstermin, bei dem die Kündigungsschutzklagen von Torben A. und Alina I. verhandelt worden wären, kam es zum Termin zwischen Götz und dem zuständigen NGG-Sekretär Ibo Ocak. Beide wurden von den jeweils von ihnen beauftragten Anwälten begleitet (das Mandat für diesen Fall hat seitens der NGG die Kanzlei Spengler in Würzburg). Erschreckend an diesem Vorgehen: die Betroffenen selbst waren zu dem Treffen nicht geladen.

Problemfall Lokalpresse | Agenda Cutting mit Bub Gauweiler

Nicht alle Journalisten der  Main Post scheinen begriffen zu haben, wer der Gewinner des Konfliktes ist. Götz hat seinen Betrieb von aktiven Gewerkschaftern gesäubert, die Betriebsratsmitglieder, die er mit seinen Mitteln nicht überzeugen konnte, sind aus dem Betrieb entfernt. Dafür zahlt der mutmaßliche Millionär Beträge, die ihm sicher nicht weh tun. Naujoks dagegen kann gepfefferte Rechnungen an Wolfgang Götz schreiben und reibt sich die Hände. Alle Ziele wurden erreicht.

Das konnte auch der willfährige Helfershelfer im Hintergrund, Rechtsanwalt Michael Philippi von der Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner von sich behaupten. Vermutlich pumpte er den Gewinn der Kanzlei des Bundestags-Rekord-Nebenverdieners Peter Gauweiler auf, indem er die Ehefrau eines Betriebsratsmitglieds mit Unterlassungsklagen und Schadensersatzforderungen überzog. Der sicher unhaltbare Vorwurf: sie hätte unkommentiert (!) Zeitungsartikel über den Konflikt auf Facebook weitergeleitet. Was wieder nur zeigt, dass es den beteiligten Anwälten bei ihrem klagefreudigen Vorgehen nicht darum geht, vor Gericht zu gewinnen, sondern alle Beteiligten auf Arbeitnehmerseite einzuschüchtern und zu zermürben. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens der zuständige NGG-Sekretär Ibo Ocak das klar sieht und seine Kraft in die noch ausstehenden Gerichtsverhandlungen gegen Wolfgang und Kathja Götz setzt.

Das ist auch der Plan der beiden ehemaligen Götz-Betriebsratsmitglieder. Sie wollen Wolfgang Götz wenigstens nach § 119 Betriebsverfassungsgesetz verurteilt sehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wolfgang Götz außerdem noch wegen Nötigung.

Nur für hartgesottene Opportunisten: arbeiten bei Götz Brot

Die Götz-Belegschaft soll sich derweil um fast 10 % verkleinert haben. Zum einen gibt es Kündigungen von  Angestellten, die unter einem solchen Chef nicht mehr arbeiten wollen. Zum anderen dürfte Wolfgang Götz auch noch ein paar letzte unliebsame Mitarbeiter rausgekegelt haben. Um dem akuten Personalmangel entgegen zu wirken, startet Götz auf seinen facebook-Seiten die reinste Charme-Offensive: demnach dürfte es kaum einen erstrebenswerteren Zustand auf Erden geben, als seine berufliche Zukunft in Wolfgang Götz‘ Hände zu legen. Und wenn es mal nicht so rund läuft, eben auch in die Hände von Helmut Naujoks, Michael Philippi und Dörthe Leopold.

Den Speichelleckern in seiner Firma setzte Götz auf seiner Website noch ein kleines Denkmal:  „Wir bedanken uns hierbei noch einmal bei unseren Mitarbeitern, welche stetig zu uns gehalten haben und unsere Entscheidungen unterstützt haben.“

aktion ./. arbeitsunrecht wird die Verhandlungen über die Strafanzeigen gegen Wolfgang und Kathja Götz nach  § 119 BetrVG mit großem Interesse begleiten. Über die Kontaktaufnahme von Einzelpersonen und Gruppen, die sich ebenfalls für den Verlauf der Verhandlungen interessieren, freuen wir uns sehr.