RP-Online zu Bossing: Falsche Schlussfolge, schlechte Tipps

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Beitrag säuft am Ende völlig ab

bullying_bossing_mobbing
Die Begriffe“Bossing“ und „Mobbing“ sind in den USA unbekannt. Dort heißt es Bullying.

Die Rheinische Post brachte am 29.07.2013 einen ausführlichen Artikel von Manja Gress zum Thema Bossing (Psychoterror im Job Was tun, wenn der Chef mobbt?). Leider kommt der Artikel am Ende zu völlig falschen Schlüssen und rät Bossing-Opfern, eher früher als später die Segel zu streichen. Eine demokratische und zivilisierte Unternehmenskultur wird so nicht entstehen können.

Nach einer europaweiten Arbeitnehmer-Umfrage von 2010 wurden,  schreibt RP-Online, rund fünf Prozent der deutschen Angestellten im Jahr zuvor im Job gemobbt oder schikaniert. In vielen Fällen gingen die Attacken vom Chef aus.

Ein Fallbeispiel: Mobbing für Personalabbau

Im Rahmen einer „Umstrukturierungsmaßnahme“ und geplantem Personalabbau sollte ein Arbeitnehmer, hier heißt er Günther K., seinem Abteilungsleiter dabei helfen, unliebsame Kollegen zu mobben, die auf einer Liste festgehalten waren. Bei der kleinsten Auffälligkeit sollten diese kritisiert und mit Abmahnungen eingedeckt werden. Als sich Günther K. weigerte die Pläne seines Chefs auszuführen, geriet er laut RP-Online selbst in die Schusslinie und sah sich schließlich mit der fristlosen Kündigung konfrontiert.


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So weit können wir dem Bericht folgen und wir begrüßen, dass das weit verbreitete Phänomen Bossing besprochen wird. Im Artikel werden Arbeitnehmer jedoch geradezu ausdrücklich dazu ermuntert, „sich zurück zu ziehen“.  Was jedoch nichts anderes heißt, als der Strategie der Geschäftsleitung nach zu geben.

Aus dem Mund eines Experten

Ein „Experte“ namens Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie rät dazu, das persönliche Gespräch mit dem aggressiven, schikanösen Vorgesetzten zu suchen und sich dabei demütig zu zeigen. Eine defensive Haltung würde dem Vorgesetzten die Möglichkeit geben, zu sagen, was ihm nicht gefällt. In diesem Punkt möchten wir ausdrücklich widersprechen. Der Artikel in der als konservativ geltenden Rheinischen Post endet zudem mit folgenden Zeilen. Der Betroffene Günther K. rät „allen in so einer Situation, nicht länger als nötig in der Firma zu bleiben. Jeder, der schikaniert werde, leide körperlich und seelisch – oft auch noch Jahre danach. Das sei kein Job dieser Welt wert.“

Na toll. Und dann kann der Chef sich das nächst Opfer suchen. Hat ja beim letzten Mal prima geklappt.

Unser Rat bei Bossing ist ein anderer

Suchen Sie sich Verbündete, gehen Sie zum Betriebsrat oder gründen Sie einen solchen, oder kandidieren Sie. Werden Sie Mitglied einer kampferprobten Gewerkschaft, nehmen Sie sich einen guten Arbeitnehmer-Anwalt, protokollieren Sie die Vorfälle und bereiten Sie sich darauf vor, eher früher als später an die Öffentlichkeit zu gehen!

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Quelle: http://www.rp-online.de/wirtschaft/beruf/was-tun-wenn-der-chef-mobbt-1.3568407


Wo Sie schonmal hier sind...

... hätten wir ein ernstes Thema zu besprechen.
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