Hamburg: Protest gegen Auftritt von Taylor Wessing-Anwalt

Union Busting-Kanzlei an der Uni | Neupack: Höck ist weg!

Am 2. November 2018 gab es in der Uni Hamburg Proteste gegen den Auftritts des Arbeitsrechtsanwalts Michael Johannes Pils (Taylor Wessing / Düsseldorf). Seine Kanzlei war federführend für Streikbruch-Maßnahmen beim Hamburger Plastikbecherhersteller Neupack verantwortlich. Sie gilt als Union Busting-Dienstleister (Was ist das?).

Kurz darauf gab es eine freudige Meldung in der Sache Neupack: Der hausinterne Union Buster Arne Höck hat die Firma verlassen. Endlich! Die Unternehmerfamilie Krüger hatte ihn im Zuge des Neupack-Streiks 2012/2013 eingestellt. (Quelle: Alle freuen sich: Höck ist weg!, Gewerkschaftslinke Hamburg, 5.11.2018)

Wir dokumentieren eine Meldung des Hamburger Jour Fixe der Gewerkschaftslinken:

Protest gegen Union Buster Taylor Wessing in Hamburg

Am 02.11.2018 fand ab 12.30 Uhr im Warburg Haus in Hamburg eine Vortragsreihe zu dem Thema „Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsschutz“ statt.

Eingeladen hatte Prof. Dr. Claudia Schubert. Wir kennen nicht ihre Positionen im Arbeitsrecht, zu Lohnabhängigen und Gewerkschaften. Auch nicht die Positionen der anderen Referenten. Wir finden es aber befremdlich, einen Anwalt einer der führenden Union Busting-Kanzleien einzuladen, zumal diese Veranstaltung im Rahmen der Juristenausbildung an der Uni lief und auch etliche Studenten erschienen waren. Ihnen wäre es zu gönnen, den Realismus in der Arbeitswelt in seiner ganzen Brutalität kennenzulernen, wie sie u.a. von Kanzleien wie Taylor und Wessing in den Betrieben praktiziert wird. Die Frage ist: Tritt der Referent von Taylor und Wessing dort offen auf als Union Buster oder getarnt als seriöser Arbeitsrechtler?

Die Teilnahme des Anwaltes Michael Johannes Pils (Taylor und Wessing. Düsseldorf) nahmen Aktivisten von GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher zum Anlass, auf die Machenschaften des Union Busters und Fertigmachers, der Kanzlei Taylor Wessing mit einem Flugblatt aufmerksam zu machen. Er sollte zum Thema „Arbeitsschutz und Digitalisierung – Gefährdungsprognose und betriebliche Mitbestimmung“ referieren.
Fast alle waren neugierig und nahmen das Flugblatt mit rein.

Interessant und witzig fanden wir die spontane Reaktion einer Teilnehmerin, als wir sie auf den Referenten Pils von der Kanzlei Taylor und Wessing aufmerksam machten: „Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich gar nicht gekommen! Gestern Abend habe ich meinen Mann, der aktiver Gewerkschafter ist, noch gefragt, was für eine Kanzlei Taylor und Wessing sei“. Sie kannte auch die aktion./.arbeitsunrecht, die vor vier Jahren bei der Otto Brenner Stiftung die Broschüre rausgegeben hatte „Union Busting. Die Bekämpfung von Gewerkschaften und Betriebsräten als professionelle Dienstleistung“. Auf Seite 77 findet die Kanzlei negative Erwähnung (Download).

Kurz darauf gaben Rügemer und Wigand von aktion ./.arbeitsunrecht das Buch raus: „Die Fertigmacher“. In ihren Publikationen seitdem weisen sie immer wieder auf die Kanzleien hin, die einen Geschäftszweig daraus gemacht haben, den Auftrag zu übernehmen, aktive GewerkschafterInnen, Vertrauensleute und BetriebsrätInnen aus den Betrieben zu entfernen. Schreiner u. Partner, Naujoks, Ruge u. Krömer sind bekannte Namen und eben Taylor und Wessing. Im Buch von Rügemer/Wigand auf den Seiten 201 ff und 92 benannt.

Uns Kolleginnen aus dem Soli-Kreis Neupack, die 2012/2013 den monatelangen Streik bei der Firma Neupack (Stellingen und Rotenburg) unterstützt haben, ist Taylor und Wessing noch in Erinnerung in Person ihres Anwaltes Marc Müller.

Wenig Illusionen über die Position von Taylor Wessing machen sich die ehemaligen Mitarbeiter übrigens selber. So lehnte ein jungdynamischer Mann im Anzug das Flugblatt lachend mit den Worten ab:“Taylor Wessing? Die kenne ich. Das sind meine ehemaligen Kollegen.“

Gegen Ende der Aktion fuhr noch ein Taxi vor, dem ein Mann im besten Alter und im Maßanzug entstieg. Vielleicht der Referent Pils selbst? Die Anwesenheit der Aktivisten schien ihn nicht zu überraschen, aber offensichtlich zu verärgern. Unwirsch lehnte er das Flugblatt mit völligem Mangel an Souveränität ab und verschwand im Gebäude, so dass man ihm nachrufen wollte: “Arroganz ist die Karikatur des Stolzes.“ Zumindest weiß der Mann auf welcher Seite er steht. Es ist nicht unsere.

Unsere kleine Aktion zeigte uns, dass direkte Aufklärung im persönlichen Gespräch vor Ort auch im Internetzeitalter notwendig bleibt.
Wie uns ein Kollege berichtete, der an der Veranstaltung teilnahm, referierte Herr Pils sachlich zum Thema, einige Male kokettierend die Möglichkeiten der Arbeitgeber andeutend. Den 40 Anwesenden, darunter 20 Studenten (es gab Punkte für die Anwesenheit), gab er keine Hinweise für die Rolle seiner Kanzlei als Fertigmacher/Union Buster gegen aktive Gewerkschafter. Das wäre in diesem Rahmen ja unwissenschaftlich gewesen.

Und was machen Gewerkschaften und gewerkschaftsnahe Institute?

Es waren ein Funktionär der IG BCE und der IGM anwesend. Sie problematisierten nicht die Anwesenheit eines Union Busters!

Unser Flugblatt wurde nicht offiziell angesprochen. Nur in der Pause erwähnten es andere TeilnehmerInnen unserem Kollegen gegenüber.

Für diese Veranstaltung hatte auch das Hugo Sinzheimer Institut -HSI– (Frankfurt), geworben! Es befindet sich im gleichen Haus wie die IG Metall. Es kooperiert mit der Hans Böckler Stiftung und der Otto Brenner Stiftung. Ob den KollegInnen vom HSI bekannt ist, was Union Busting ist und daß die Otto Brenner Stiftung dazu eine Broschüre herausgegeben hat? Auf eine Anfrage kam nur die lapidare Antwort, daß sie auf Wunsch der Veranstalter auf die Veranstaltung hingewiesen hätten. Sie müssen sich fragen lassen, warum sie für die Teilnahme an einer derartigen Veranstaltung mit einem Anwalt der Kanzlei Taylor Wessing werben, ohne auf die üble antigewerkschaftliche Rolle dieser Kanzlei hinzuweisen. Sind die KollegInnen vom HSI so naiv, daß sie ihre Werbung für einen Union Buster nicht als Propaganda für einen Gegner sondern als wertfreie Dienstleistung sehen?

Flugblatt, das wir vor der Veranstaltung verteilten:


FERTIGMACHER?

„Ein guter Anwalt für Arbeitsrecht weiß, dass Rechtsfragen Machtfragen sind“
Benno Hopmann


Es gibt nichts Gutes. Außer Du tust es: >> Jetzt Fördermitglied werden!


Seit Jahren werden Schutzrechte für ArbeitnehmerInnen von (Un)Rechtsanwälten (u.a Taylor Wessing (siehe NEUPACK STREIK!), Helmut Naujoks, Ruge und Krömer, Schreiner und Partner) systematisch ausgehöhlt. Selbstbewußte ArbeitnehmerInnen werden eingeschüchtert, drangsaliert und schikaniert, die allermeisten Opfer dieser UnRechtsanwälte entwickeln psychische und physische Beschwerden, werden krank.

Zeigen Sie Rückgrat! Sie können helfen:

STOPPEN!


Hintergrund / weitere Infos

Mitglieder des Hamburger Jour Fixe der Gewerkschaftslinken hatten die Neupack-Beschäftigten mit einem Soli-Kreis während eines spektakulären Streiks 2012/2013 unterstützt (siehe: Neupack: Der Streik und seine Hintergründe, arbeitsunrecht.de, 27.2.2015).

Im Nachgang wurde der Neupack-Betriebsratsvorsitzende Murat G. zur Zielscheibe juristischer Nachstellungen. Neupack wurde deshalb zum Ziel des ersten Schwarzen Freitags der aktion ./. arbeitsunrecht am 13. März 2015 (Bericht hier). Mit Erfolg: Murat ist immer noch Betriebsratsvorsitzender der Plastikbecher-Fabrik!

„Michael Pils ist in der arbeitsrechtlichen Beratung von japanischen, chinesischen und US-amerikanischen Unternehmen sehr erfahren.“ Er geht dahin, wo Wirtschaftskanzleien das dicke Geld machen: Unternehmensaufkäufe und Fusionen (Mergers + Acqusitions). Entlassungen, Auslagerungen, Betriebsratszerschlagung und die Absenkung von Arbeitsstandards gehören selbstverständlich dazu. (Zitat + Foto: Screenshot Taylor Wessing Deutschland, 26.11.2018, Ausschnitt)

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