Caritas Würzburg: Zwei Mitarbeiter wehren sich gegen Kündigungen

Geschäftsführung versucht sie seit fünf Jahren los zu werden. Warum?

Fides, Spes und Caritas - Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe von Julius Schnorr von Carolsfeld ( 26. März 1794 - 24. Mai 1872, gemeinfrei)

Fides, Spes und Caritas – Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe von Julius Schnorr von Carolsfeld ( 26. März 1794 – 24. Mai 1872, gemeinfrei)

Die feststellbare Verrohung in der deutschen Arbeitswelt trifft nicht nur die Schwächsten, die am unteren Ende der Befehlskette stehen und die miserabelsten Arbeitsbedingungen haben. Wenn Manager das Ruder übernehmen, deren Horizont aus Quartalsabrechnungen und Profitraten besteht, kann auch Führungspersonal ins Fadenkreuz geraten: “Das sind Kostenstellen, die nicht refinanziert werden können”, lässt sich etwa Marco Warnhoff, Geschäftsführer der Caritas Einrichtungungen gGmbH (CEG) von der Presse zitieren.

In Würzburg kämpfen Stefan R. und Jürgen H. nach eigenen Angaben seit 2011 um ihre berufliche Existenz. Stefan R. war in einer sehr gut dotierten Position als Referent für Datenschutz und Personal angestellt. Er hat inzwischen drei Kündigungen der Caritas abwehren können, weil laut Presseberichten ausdrücklich keinerlei Fehlverhalten vorgelegen habe (SZ vom 31.07.2013, Main Post vom 02.08.2013). Es geht hier wohlgemerkt nicht um gewerkschaftliche Betätigung, Personalratsarbeit oder andere konfliktträchtige Aktivitäten.

Aufspaltung in Sub-Unternehmen => Lohn drücken + Personal entlassen

Hier sollen offenbar langjährige Beschäftigte mit guten Verträgen entsorgt werden – zur Not auch gegen das deutsche Arbeitsrecht. Als Hebel nutzte man – wie so häufig – die Aufspaltung und Zergliederung des Caritas-Betriebs in kleine schein-selbständige Einheiten.

Die CEG hat im Würzburger Raum über 800 Beschäftigte und betreibt 17 Kur- und Altenpflegehäuser, ferner zwei Dienstleistungsgesellschaften und fünf weitere gGbmHs. Die Gesellschafteranteile der CEG liegen zu 75 Prozent bei der Diözese Würzburg und zu 25 Prozent beim Diözesancaritasverband.

Im Februar 2016 urteilte das Arbeitsgericht Würzburg, dass das Arbeitsverhältnis von Stefan R. weiter bestehe und er somit Anspruch auf weitere Gehalts-Zahlungen habe. Sein Weiterbeschäftigungsantrag wurde dagegen von der Caritas “vergessen”. Beide Parteien haben Berufung eingelegt. Stefan R. klagt nun auf Weiterbeschäftigung. Die Verhandlung findet am 18. Oktober 2016 um 14.00 Uhr vor dem Landesarbeitsgericht Nürnberg, Roonstraße 20 (Raum 416) statt.

Ein Bischof aus Walhalla

Die CEG wird von  Rechtsanwalt Marc Doßler von der Kanzlei Leschnig & Coll, vertreten. Er ist Mitglied im Bund katholischer Rechtsanwälte und der Katholischen Studentenverbindung Walhalla Würzburg (1), zu deren Mitgliedern auch der Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zählt, also der oberste Dienstherr der Caritas (unter dem Papst und Gott selbst). Eine mehrseitige Bitte um Unterstützung, den die beiden Bedrängten an den Geistlichen schickten, soll der Kirchenfürst unbeantwortet gelassen haben.

Was ist los bei kirchlichen Trägern?

Bei der aktion ./. arbeitsunrecht gibt es mittlerweile eine auffällige Häufung von Meldungen über Missstände bei kirchlichen Trägern. Wir sind an weiteren Informationen interessiert. Sie können über die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag oder per Mail Kontakt aufnehmen.


Anmerkungen

(1) Merkwürdig, dass eine christliche Studentenverbindung einen heidnisch-germanischen bzw. “völkischen” Namen wie Walhalla tragen darf.

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7 Kommentare zu “Caritas Würzburg: Zwei Mitarbeiter wehren sich gegen Kündigungen
  1. Klaus Peter sagt:

    Da brodelt die Gerüchteküche: “Wie ging das jetzt aus?”. Keiner will mir was bei der Caritas sagen, obwohl angeblich so viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen sollen. Wer informiert hier? Der Bischof oder Diözese Wuerzburg?

  2. Maria Rüth sagt:

    Im Bericht werden Fakten schlicht auf den Kopf gestellt. In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich aus nächster Nähe jahrelang den Umgang von Herrn Stefan R. mit MitarbeiterInnen miterleben müssen. Die Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen und auch die kath. Arbeitnehmerbewegung haben wiederholt an Bischof, Generalvikar die Verantwortlichen der Caritas appelliert, gegenüber Stefan R. die überfälligen Konsequenzen zu ziehen. Es wäre sehr zu wünschen, dass der „außerordentlich gut dotierte Arbeitsvertrag mit dem außerordentlich guten Sonderkündigungsschutz“ (Main Post 02.08.13) endlich unwirksam ist.

    • Wolfgang sagt:

      Liebe Maria, nun bin ich mir nicht sicher, welchen Stefan R. Du meinst? Soweit mir bekannt musste Stefan A. R. nach wenigen Monaten die Caritas – meiner Meinung nach – fast schon ” Halsüberkopf” verlassen. Jetzt ist er … so glaube ich… in Erfurt. Bitte spreche das Thema mit den Vergütungen für leitende Mitarbeiter(innen) gemäß § 3 Abs. (g) Allgemeiner Teil AVR noch mal an. Wir wollen beispielsweise bei der Vergütung für Herrn Marco Warnhoff nachfragen, in wie weit bei den 10-20 Geschäftsführer- und Aufsichtratpositionen plus stelv. Caritasdirektor monetär valutiert wird. Nach unserer Schätzung liegt sein Gehalt bei ca. 0,25 bis 0,5 Mio Euro pro Jahr. Bitte nehme die Richtlinie der Caritas von 2008 zur Hand. Vielen Dank für Deine Unterstüzung Gruß Wolfgang

  3. Walter Herrmann sagt:

    Wie ging das Urteil bzw. Gerichtsverhandlung aus?

    • Jessica Reisner sagt:

      Anwesende berichteten uns, dass der Betriebsübergang gekippt sei. Wir warten allerdings noch auf den genauen Wortlaut und die Urteilsbegründung

  4. edualc grebnenorg sagt:

    Interessant: Besagter Geschäftsführer und Rechtsanwalt M. Warnhoff ist mittlerweile nicht mehr bei der Caritas. Er ist sich selber zum Opfer geworden, denn er war vermutlich nur “Handlanger”, Lakai, seines Vorgesetzten, der die Fäden zieht. Der Druck, der in der CEG auf die Mitarbeiter ausgeübt wird, ist einfach unbeschreiblich! Das Teufelchen treibt sein Unwesen in der Caritas. Das sollte auch der verantwortliche Bischoff wissen. Der schaut weg.

    • IPleak sagt:

      Sehr geehrter Herr Cronenberg,
      Sie wissen schon, dass Sie da mit eigenartigen Spekulationen unterwegs sind. Oder?
      Beste Grüße an den Untermain.

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