Werkverträge: DGB prangert neue Niedriglohn-Modelle an

Michael Sommer macht Front gegen Umgehungsstrategien in der Leiharbeit / IG Metall kündigt Kampagne für Herbst 2012 an

Die Süddeutsche Zeitung vom 19. Juni 2012 lässt den DGB-Chef ausführlich zu Wort kommen und stellt das Mittel „Werkverträge“ ausführlich und kritisch dar.  In dem Beitrag heißt es:

„Leider besitzen zu viele Arbeitgeber eine erstaunliche Kreativität, wenn es darum geht, neue Billiglohnmodelle zu erfinden“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Nach dem Missbrauch der Leiharbeit suchten sich die Arbeitgeber „das nächste gesetzliche Schlupfloch – und das sind Werkverträge und Scheinselbständigkeit, um Löhne zu drücken und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern“. Dies gehe auch zulasten der Stammbeschäftigten. […]

Die Denkfabrik der BA, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), schätzt, dass 2011 mehr als 600.000 Menschen als freie Mitarbeiter über Werk- und Dienstverträge beschäftigt waren. Ihre Anzahl habe sich damit seit 2002 „nahezu verdoppelt“. Der Anteil der Betriebe, die freie Mitarbeiter einsetzen, ist demnach in diesem Zeitraum von vier auf mehr als sieben Prozent oder 150.000 gestiegen.


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[…] Nötig seien daher mehr wirksame Kontrollen und mehr Rechte für die Betriebsräte, „um diesen Missbrauch auch unterbinden zu können“. Ein gesetzlicher Mindestlohn könne „die schlimmsten Dumpingauswüchse eindämmen, das Problem allein aber nicht lösen“.

[…] „Nichtstun ist keine Option“, sagt Sommer.

Allerdings lassen sich dem Beitrag außer Forderungen und Ermahnungen an die Adressen von Gesetzgebern und Exekutive keine weiteren Vorschläge zur Aktivität entnehmen.

Laut Märkischer Allgemeine vom 18. Juni 2012 kündigte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel für Herbst 2012 eine Kampagne gegen Werkverträge an. Er mahnt für den Bundestagswahlkampf 2013 die ehemals traditionelle Verbündete SPD:

„Die SPD darf nie wieder den historischen Fehler wiederholen, den Wert der Arbeit so gering zu behandeln wie in den Gesetzen der Agenda 2010“, zitierte Wetzel kürzlich auf dem Arbeitnehmerforum der Brandenburger SPD den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Und führte auf, dass die Deregulierung der Leiharbeit ein Werk der rot-grünen Bundesregierung war.

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