Erster Erfolg: Toys R Us zieht zurück

Toys R Us lässt Amtsenthebungsverfahren nach Protesten fallen

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Weiteres Skandal-Verfahren gegen Mona beleuchtet Niedriglohn-Hölle bei Toys R Us im Jahr 2013

Vier Tage nach Weihnachtsprotesten gegen Union Busting bei Toys R Us hat das Unternehmen den Antrag auf Amtsenthebung der Betriebsratsvorsitzenden Mona (Filiale Würselen) zurückgezogen. Auch ein Teil des mutwillig vorenthaltenen Lohns wurde Mona bereits nachgezahlt.

Ein erster Sieg!

Die Einstellung des Verfahrens zeigt, wieviel Kraft in öffentlichem Protest liegt. Wir freuen uns über diesen Erfolg und werden an Silvester darauf anstoßen.

Am 15.12.2018, dem verkaufsträchtigsten Tag im deutschen Einzelhandel, hatte die aktion ./. arbeitsunrecht zusammen mit Bündnispartnern Protest-Kundgebungen in Berlin und Würselen bei Aachen organisiert. Zahlreiche Leute in ganz Deutschland haben unseren Flyer ausgedruckt und in Toys R Us-Filialen hinterlassen (Bericht hier).

Das Toys R Us-Management wollte Monas Entfernung als Betriebsratsvorsitzende und damit auch als Mitglied des Gesamtbetriebsrats erwirken. Die juristische Durchführung des Manövers verantwortete der glücklose Nicolai Besgen aus der berüchtigten Bonner Hardcore-Kanzlei Meyer-Köring.

Dennoch besteht kein Grund zur Entwarnung

Der Druck auf die gewerkschaftlich organisierten Teile der Belegschaft, die weiterhin einen Tarifvertrag fordern, bleibt enorm. Es ist zu befürchten, dass das Management unter Detlef Mutterer derweil auf Rache sinnt. Unverhohlen droht das Deutschland-Management mit einer Politik der verbrannten Erde.

Die hochprofitable Toys R Us-Filiale im Aachener Dreiländereck könne auch geschlossen werden, heißt es. Wir halten das für leicht durchschaubare psychologische Kriegsführung, aber in Einzelfällen kommt es durchaus vor, dass aggressive Manager mutwillig ins Fleisch ihrer Firma schneiden, um Widerstandsnester zu amputieren. Zumal ein Unsicherheitsfaktor im Raum steht: Wie die neuen Besitzer von Toys R Us gestrickt sind, die Brüder Smyth aus dem irischen Galway, was ihre genauen Pläne sind, ist derzeit unbekannt.

Für die Belegschaft von Toys R Us heißt es daher: Wachsam sein, nicht in Panik verfallen, sich auf drohende Auseinandersetzungen gewissenhaft vorbereiten. (Zum Beispiel durch Mitgliedschaft in der aktion ./. arbeitsunrecht: https://aktion.arbeitsunrecht.de/de/mitglied-werden )

Für Bürgerrechtler, Gewerkschafter und Unterstützer*innen heißt es: Wir bleiben dran! Wenn Toys R Us nicht zur Vernunft kommt, sehen wir uns 2019 wieder auf der Straße! (4)

Ein Täter als Opfer: Baqar I. klagt wegen Verleumdung und Mobbing

Für Mona ist der juristische Horror noch nicht vorbei. In einem weiteren Verfahren muss sie sich derzeit gegen den gefürchteten stellvertretenden Marktleiter Baqar I. wehren, dessen Versetzung aus Würselen die aktion ./. arbeitsunrecht durch Proteste 2017 erwirken konnte. Baqar I. klagt nun mit RA Dirk Wolfgang Heidbüchel aus Düren auf Verleumdung und Schmerzensgeld, weil Mona gegenüber Radio Flora aus Hannover ein Interview gegeben hat, in dem sie ihn als Mobber tituliert (Siehe: Toys R Us: Management setzt auf gefürchteten Mobber, arbeitsunrecht.de, 30.8.2017).(3)

Der Fall ist brisant, da Mona im April 2013 nach einer Mobbing-Attacke mit Lähmungserscheinungen ins Krankenhaus musste und schwere körperliche Folgeschäden durch Schikanen und Mobbing erlitt, die z.T. irreversibel sind. Sollte dieses skandalöse Verfahren weiter gehen, das Baqar I. als Privatperson gegen Mona führt, dürfen wir uns auf eine Reise ins Herz der Finsternis gefasst machen.

Apartheid im besten Niedriglohnsektor Europas

Zeugenaussagen können belegen, dass der damalige Marktleiter Matthew W. und sein Stellvertreter Baqar I. im Jahr 2013 eine Art Apartheidssystem in der Würselener Toys R Us-Filiale errichtet hatten: Eine Schicht bestand aus Deutschen, die andere aus vermeintlichen „Ausländern“.(7) Während die Deutschen eine ruhige Kugel schieben durften und ausgiebige Kaffee-Pausen genossen, mussten die Ausländer die liegen gebliebene Arbeit im Dauerstress verrichten. Dazu durften sie sich von Baqar I. rassistische Sprüche anhören; sie arbeiteten in der ständigen Angst, in den Bannstrahl seiner direkten Aggression sowie übler Nachrede hinter ihrem Rücken zu geraten.

Ein erster Verhandlungstermin vor dem Arbeitsgericht Aachen unter der Vorsitzenden Richterin Sarah Gründel am 14.12.2018 ergab, dass folgende Aussagen im Raum stehen:

„Dich sollte man verschleiern und steinigen.“

„Serben sind Zigeuner und klauen.“

„Ihr Ausländer müsst dankbar sein, dass ihr hier arbeiten dürft, und solltet den Deutschen Hände und Füße küssen.“

Können Ausländer rassistisch sein?

Dass der stellvertretende Marktleiter, der heute in der Toys R Us-Filiale in Köln-Holweide arbeitet, selbst Mazedonier ist, verwundert dabei zunächst. Ein Blick in die deutsche Geschichte zeigt, dass Rassismus bei Betroffenen mitunter auch Selbsthass und Sadismus erzeugt, gepaart mit dem Willen, sich durch Überanpassung an die vermeintlichen Herrenmenschen nach oben zu dienen oder die eigene Haut zu retten.(5) Die Verkäuferinnen bei Toys R Us in Würselen fürchteten sich besonders vor dem wilden, stechenden Psycho-Blick des Baqar I. (6)

Wir können von Toys R Us nicht verlangen, dass auch dieses unselige Verfahren eingestellt wird, das Baqar I. mit Hilfe eines Dürener Volljuristen gegen Mona führt. Er führt es auf eigene Faust, möglicherweise sogar ohne Rückendeckung des Managements. Wir werden die unverhoffte Chance ergreifen, die dunkle Seite des deutschen Wirtschaftswunders zu dokumentieren.

Wir sind gespannt auf das Verfahren und werden intensiv berichten

Der Fall Baqar I ./. Mona E. zeigt, wie die Entwertung der Arbeit und des Lohns durch Hartz-Gesetze und Agenda 2010 zur Abwertung der Menschen führte, die in Gerhard Schröders „bestem Niedriglohnsektor Europas“ arbeiten mussten. Der Fall ist heute auch zeitgeschichtlich interessant, weil diese dunklen Aspekte des „deutschen Wirtschaftswunders“ bislang kaum aufgearbeitet sind. (1)

Toys R Us ist nicht die einzige Firma, die damals positive Anreize durch Angst und Schrecken ersetzte. Arbeit war durch aufstockendes ALG II unter Marktwert zu haben, Arbeitslose wurden durch Ämterdruck in die Jobs gepresst, der Nachschub an „Menschenmaterial“ (Human Resources) schien unbegrenzt. Diese Abwertung hat nicht wenige verleitet, Untergebene zu demütigen oder regelrecht zu vernutzen. Heute, in Zeiten des Fachkräftemangels, sieht das möglicherweise wieder anders aus. (2)


Anmerkungen / Fußnoten

(1) In Frage kommende Medien, Institute oder Stiftungen sind bis heute bestens mit den verantwortlichen Parteien SPD und Grüne vernetzt. Auch die DGB-Gewerkschaften taten sich nicht durch besondere Kampfeslust hervor, war doch mit der Sozialdemokratie ihre parlamentarische Zwillingsschwester an der Regierung.

(2) Vermutlich steckt im viel beschworenen „Fachkräftemangel“ auch eine aktive Verweigerung großer Teile des Proletariats, solche Horror-Jobs überhaupt noch anzunehmen.

(3) Zu den Skurrilitäten dieses Verfahrens gehört, dass Mona angegriffen wird und nicht die aktion./.arbeitsunrecht, obwohl wir für die Veröffentlichung der meisten Vorwürfe gegen Baqar I. und die Meinung, es handele sich hier um einen berüchtigen Mobber, presserechtlich verantwortlich sind.

(4) Vielleicht lässt sich auch der schlafende Riese namens Verdi im kommenden Jahr mal wieder bei Toys R Us blicken? Wir würden uns freuen!

(5) So gehörten Balten und Ukrainer zu den gefürchtetsten Aufsehern in deutschen Konzentrationslagern der Nazi-Zeit.

(6) Er zeigte diesen Blick beim Kammertermin am 14.12.2018 auch gegenüber dem einzigen Prozessbeobachter und Verfasser dieser Zeilen.

(7) Wie rassistisch das Ganze war, zeigt folgender Umstand: Mona ist tatsächlich in Aachen aufgewachsen und seit jeher deutsche Staatsbürgerin. Mit „Ausländern“ waren vor allem Muslime und Kinder von Einwanderern aus Nicht-EU-Staaten gemeint, zu denen auch Mona gehört.

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