Union Busting: Flink verhindert Betriebsrat durch Massenenlassung

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Standort Freiburg überfallartig geschlossen. Politik der verbrannten Erde, um Betriebsrat und Sozialplan zu verhindern.

Am Freitag, 13. Oktober 2023 hat der Lieferdienst Flink seine Niederlassung in Freiburg geschlossen und über 50 Beschäftigte entlassen. Für die Lohnabhängigen kam die Massenentlassung aus heiterem Himmel.

Die Aktion gegen Arbeitsunrecht bewertet das Vorgehen von Flink als Union Busting. Wir erklären uns solidarisch mit den Beschäftigten und Betriebsratinitiatoren, die ohne Sozialplan kaltschnäuzig vom Hof gejagt wurden.

Die Massenentlassung erfolgte nach unserer Einschätzung nicht aus wirtschaftlichen sondern aus politischen Gründen. Betriebsräte und Gewerkschaften sind bei Flink offensichtlich nicht erwünscht.

Das Flink-Management schloss die Freiburger Filiale eine Woche nachdem am 6. Oktober 2023 ein Wahlvorstand gewählt wurde und drei Tage vor der angekündigten Betriebsratswahl, die am 16. Oktober 2023 stattgefunden hätte. Es wäre der erste Betriebsrat bei Flink in ganz Deutschland gewesen.


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Der Verein Aktion gegen Arbeitsunrecht sieht einen Kausalzusammenhang: Die überfallartige Schließung eines Standorts drei Tage vor einer Betriebsratswahl ist kein Zufall; die Verhinderung des ersten Betriebsrats in Deutschland war das strategische Ziel der Schließung.


Interview auf arbeitsunrecht FM: Elmar Wigand spricht mit der Betriebsratsgründerin Aenne Wagner. Mittwoch, 18. Oktober 2023, 19.00 live auf twitchyoutubefacebookRadio Dreyeckland.  Danach als Podcast auf spotify


Es gehört offensichtlich zur Firmenphilosophie von Flink, betriebsratsfrei zu bleiben. Dafür betreibt das Unternehmen erheblichen Aufwand und hat bereits in der Vergangenheit finanzielle und ideelle Opfer in Kauf genommen: Union Busting-Kanzleien sind teuer, das Markenimage von Flink hat gelitten.

Die Freiburger Filiale galt als vergleichsweise wirtschaftlich — so verkündeten es die Vorgesetzten jedenfalls gegenüber den Beschäftigten in Freiburg.

Ohne Betriebsrat kein Sozialplan

Seit April 2023 kursieren in der Fachpresse Meldungen und Gerüchte, dass der defizitäre Lieferdienst Probleme habe, frisches Kapital anzulocken, dass 40 Prozent der Filialen unprofitabel seien und dass Flink an den Konkurrenten Getir verkauft werden soll.

Wir vermuten allerdings, dass der Standort Freiburg nicht im Rahmen der angestrebten Konsolidierung geschlossen wurde — anders als Bremerhaven, Dortmund (Benningenhofen), Oberhausen, Moers, Remscheid, die im Jahr 2022 ebenso verlassen wurde wie ganz Österreich.

Sollte Flink in absehbarer Zeit in Freiburg wieder ein Hub errichten, wäre das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Hier stünden Betrug und Betriebsratsbehinderung im Raum.

Die Betriebsratsinitiatoren genießen laut Betriebsverfassungsgesetz Kündigungsschutz. Wir werden ihre Kündigungsschutzklagen solidarisch begleiten.

Betriebsrat auch in Berlin erfolgreich bekämpft

In der Vergangenheit hat Flink viel Zeit und Geld investiert, um einen Betriebsrat in Berlin zu verhinden. Dort hatte sich am 5. September 2022 ein Wahlvorstand zur Einleitung einer Betriebsratswahl gegründet. Diesen hat Flink mit der Kanzlei Pusch Wahlig in den folgenden Monaten erfolgreich sabotiert.

Der Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht, Elmar Wigand, ist von Dezember 2021 bis Mai 2022 selbst als Rider für Flink in Berlin gefahren und war an der Betriebsratsgründung beteiligt. Er streitet vor dem Landesarbeitsgericht für seine Wiedereinstelltung. (ArbG Berlin Az. 34 Ca 9805/22 / 34 Ca 10011/22 | Prozesstermin vor dem LAG Berlin ist voraussichtlich im Januar 2024.)

Zu den eingesetzen Methoden in Berlin gehörten Wahlanfechtungen, Kündigungsversuche, Bespitzelung, konstruierte Abmahnungen, die Einrichtung eines managementgesteuerten alternativen Vertretungsorgans, bis hin zu paranoid-antikommunistischen Diffamierungen von Gewerkschaftern und Betriebsratsgründern und eidestattlichen Falschaussagen der Flink-Justiziarin Sarah Erne.

Pusch Wahlig ist auf Betriebsratsverhinderung und -zerschlagung spezialisiert. Die Kanzlei hat zuvor Betriebsräte und Betriebsratsmitglieder bei beim Lieferdienst Flaschenpost und beim Autoverleiher Sixt bearbeitet und zur Aufgabe gezwungen.


Für Rückfragen: Elmar Wigand, Pressesprecher, 0176.588 656 23, presse@arbeitsunrecht.de


WER SIND WIR?

Die „Aktion gegen Arbeitsunrecht e.V. – Initiative für Demokratie in Wirtschaft & Betrieb“ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für Arbeitsrechte als Menschenrechte einsetzt.

Wir unterstützen Betriebsräte, Gewerkschafter/innen und Beschäftigte und beleuchten die Schattenseiten der deutschen Wirtschaft.

Wir dokumentieren und analysieren Union Busting (d.h. die systematische und professionelle Bekämpfung arbeitgeber-unabhängiger Organisierung) und Fertigmacher-Methoden. Wir entwickeln Gegenstrategien und beraten Betroffene.

Zu unseren Mitgliedern gehören Lohnabhängige, Rechtsanwälte, Publizisten, soziale Aktivisten + Bürgerrechtler/innen.

Träger des taz.panter Preis 2017.



 


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