Atos / Sellbytel: 27 m² für elfköpfigen Betriebsrat?!

IT-Konzern verweigert angemessenen Besprechungsraum | Auslagerung in Billig-Lohn-Länder angekündigt

Sellbytel und Atos ziehen am selben Strang: konstruktive Betriebsratsarbeit durch Beschäftigung mit unsinnigen Verfahren und Widerständen verhindern! (Urheber: Überraschungsbilder, Lizenz: GNU 1.2, Quelle: wikicommons)

Sellbytel und Atos zwingen den Sellbytel-Betriebsrat in ein Laufrad aus unsinnigen Verfahren. Gemeinsames Ziel: echte Betriebsratsarbeit verhindern, Betriebsratsmitglieder bis zur Erschöpfung hetzen (Urheber: Überraschungsbilder, Lizenz: GNU 1.2, Quelle: wikicommons)

Bereits am 05.September 2014 berichteten wir, wie 9 von 11 Betriebsratsmitglieder im Berliner Callcenter des Dienstleisters Sellbytel Group GmbH (BBDO) mit fadenscheinigen Kündigungen bedroht wurden. Nun zeigt sich, dass der Auftraggeber Atos das Betriebsrats-Bashing seines Sub-Unternehmers nicht nur toleriert, sondern in eigener Regie voran treibt.

Atos-Leiterin schmeißt Betriebsrat raus

Sandra Schmidt, Standortleiterin bei Atos in Berlin-Adlershof,  schmiss den Sellbytel-Betriebsrat am 10.09.2014 während einer Betriebsratssitzung aus dem Besprechungsraum. Möglich war das, weil sämtliche Flächen am Standort Adlershof von Atos gemietet sind und der Dienstleister Sellbytel auf eine Gebrauchsüberlassung durch Atos angewiesen ist. Dem 11-köpfigen Betriebsratsgremium, darunter auch einem Gehbehinderten, steht in Adlershof lediglich ein 27 m²-Raum zur Verfügung. Das ist offensichtlich unzumutbar und dürfte nicht ernst gemeint sein.

Als die gewählten Arbeitnehmer-Vertreter am 10.09.2014 einen frei stehenden geeigneten Raum für eine Besprechung nutzen wollten, machte die Atos-Lokal-Chefin Schmidt von ihrem Hausrecht Gebrauch. Sandra Schmidt soll verlautet haben: “Ich bin Atos”. Der Raum blieb nach diesem Mini-Show-down offenbar ungenutzt.

Mit diesem schikanösen wie lächerlichen Verhalten handelt Atos auf eigene Rechung gegen den SellbyTel-Betriebsrat. Das ist interessant. Normalerweise verstecken sich Generalunternehmer meist hinter ihren Sub-Unternehmern, wenn es darum geht Verantwortung für Rechtsverstöße und Grausamkeiten abzuwälzen.  Martin Bechert, Anwalt auf Arbeitnehmerseite, liegt die eidesstattliche Erklärung des Sellbytel-Standortleiters in Adlershof vor. Darin soll dieser versichert haben, dass er Atos zur Überlassung von Meetingräumen für den Betriebsrat überreden wollte. Am 15. November 2014 findet zur Raumfrage am Arbeitsgericht eine weitere Verhandlung statt. Der Betriebsrat fordert einen ständigen Betriebsratsraum von 50m².

Union Buster der Kanzlei Buse Heberer Fromm

Dass Atos die Behinderung der Betriebsratsarbeit bei Sellbytel weiter voran treibt, passt zur bisherigen Strategie. Der Callcenter-Betreiber SellbyTel hat die Kanzlei Buse Heberer Fromm (Tobias Grambow) unter anderem mit diesen aggressiven Maßnahmen betraut:

  • Kündigungen gegen 9 von 11 Betriebsratsmitgliedern eingeleitet,
  • Verfahren zur Auflösung des Betriebsrats nach § 23 Abs. 1 BetrVG (wegen angebl. grober Verletzung der gesetzlichen Pflichten) angestrengt,
  •  Grundschulungen für die Betriebsratsmitglieder verweigert
  •  ungerechtfertigte Abmahnungen und Gehaltskürzungen gegen den Betriebsratsvorsitzenden.

Alles Maßnahmen aus der Waffenkammer des Union Busting, einem Feld in dem die Kanzlei Buse Heberer Fromm seit Jahren erfolgreich Beute macht (in Form von Honoraren).

Auch im IT-Bereich: Auslagerung in Billig-Lohn-Länder

Atos ist laut Firmen-Website ein internationaler Anbieter von IT-Dienstleistungen mit 76.300 Mitarbeitern in 52 Ländern (Jahresumsatz 2013: 8,6 Mrd. €, Hauptsitz: Bezons, Frankreich). Der französische IT-Gigant will sich in Deutschland offenbar an die Spitze einer neuen Welle von Lohn-Dumping durch Auslagerung in Billiglohnländer setzen.

Ausgerechnet Atos hat von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) den Zuschlag für die Einrichtung von 165.000 elektronischen Postfächern für die zugelassenen deutschen Rechtsanwälte bekommen (Legal Tribune Online am 30.09.2014). Dabei sei die Rolle des Dienstleisters Atos nicht transparent, kritisiert der Verband der Kanzlei- und Anwaltssoftware produzierenden Unternehmen in Deutschland im August 2014.

Mit dem neuen Großauftrag der BRAK könnte allerdings die Schließung des Atos-Standorts in  Frankfurt vom Tisch sein. Dort bangen 300 Atos-Mitarbeiter um ihre Jobs. Im Online-Portal labournet heißt es am 01.04.2014 zur geplanten Massenentlassung, die Maßnahme sei…

 … als der erste Schritt einer neuen „Standortpolitik“ zu sehen, die alle Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland infrage stellt, die nicht in sogenannten „Low Cost Delivery Centern“ oder vor Ort bei Atos-Kunden angesiedelt sind. Perspektivisch sollen zwischen 60% und 90% der Arbeitsplätze in Billiglohnländer („Offshore“) verlagert werden. Damit will sich Atos an die Spitze eines Trends stellen, dem auch die großen Mitbewerber wie T-Systems, Hewlett Packard und IBM folgen.

Fazit

Atos erscheint als extrem unsympathischer Arbeitgeber, der große Probleme zu haben scheint und diese unverfroren auf seine Mitarbeiter abwälzen will. Dabei nimmt der Sub-Unternehmer SellbyTel die Dienste der umstrittenen Kanzlei Buse Heberer Fromm in Anspruch. Der IT-Konzern Atos und sein Sub-Unternehmer verstoßen offenbar gezielt und regelmäßig gegen geltendes Recht, wenn es darum geht Arbeitnehmervertreter zu schikanieren und zu zermürben.

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Weiter führende Links:

Unterzeichnen Sie den Mannheimer Appell gegen Betriebsrats-Mobbing: http://arbeitsunrecht.de/kampagnen/mannheimer-appell/

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2 Kommentare zu “Atos / Sellbytel: 27 m² für elfköpfigen Betriebsrat?!
  1. Geronimo sagt:

    Es gibt eine Webseite/Initiative die sich da nennt: “www.startsocial.de”, welche sich unter der Schirmherrschaft unserer Bundeskanzlerin für soziale, ehrenamtliche Projekte einsetzt. Scrollt man an das Ende der Webseite findet man die Sponsoren, unter Andrerem: Atos, Deutsche Bank, und so weiter. Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass zur Weihnachtszeit auch wieder die dazugehörigen Werbespots über unsere Bildschirme flimmern.
    Nun muss man sich vor Augen führen, dass ein Betriebsrat gemäß § 37 Abs. 1 BetrVG seine Arbeit ehrenamtlich leistet.
    Ganz offenbar beschränkt sich das soziale Engagement dieser Konzerne/Unternehmen auf das Sponsoring dieser Initiative. Ist eben billiger und spiegelt damit auch die “Low Cost”-Philosophie dieser Unternehmen.
    Mein Fazit: Alles blanke Heuchelei! Im Heucheln sind die wirklich gut.

  2. Frank Gertz sagt:

    So und nicht anders handhaben die Herren und Damen der Atos und Sellbytel ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern. Ich persönlich warte noch heute auf ausstehende Lohnzahlungen aus dem Juni und Juli. Das ist ein weiterer negativer Effekt, wenn man in diesen Unternehmen tätig ist bzw. war. Der Betriebsrat war den Damen und Herren seit Anbeginn ein Dorn im Auge, der nun unrechtmäßig entfernt wurde.
    Man muss sich nur einmal die Arbeitgeberbewertungen der Sellbytel auf dem Portal Kununu anschauen, dann gewinnt man schnell einen Eindruck bezüglich der Zustände, die in den Projekten herrschen.

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