Terra Nova: Betriebsratsbehinderung, Maulkorb-Prozess und ein Stalker namens Rumpelstilzchen

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„Sozialer“ Verein aus dem Münsterland geht gegen Betriebsrat und aktion./.arbeitsunrecht vor.

Bizarrer Prozess vor dem Kölner Landgericht wegen eines Telefongesprächs.

Psychopath namens „Rumpelstilzchen“ stalkt gegen kritische Berichterstattung der Aktion gegen Arbeitsunrecht.

Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen Bedrohung und Androhung von Computer-Sabotage

Welcher Rolle spielt Terra Nova-Geschäftsführer Tietmeyer?

Weil die Webseite „arbeitsunrecht in deutschland“ über einen eklatanten Fall von Betriebsratsbehinderung durch den Sozialträger Terra Nova e.V. (Ochtrup) berichtete (arbeitsunrecht.de, 26.4.2019), gerieten wir ins Fadenkreuz eines Stalkers namens „Rumpelstilzchen“. Er sandte uns im Mai und Juni 2019 über die Kommentarfunktion unseres Blogs zeitweise täglich gruselige Botschaften. 

„Rumpelstilzchen“ drohte unter anderem mit Computer-Sabotage, beleidigte Vorstandsmitglieder, stieß Drohungen insbesondere gegen Frauen aus unserem Umfeld aus, die er offenbar über Social Media ausspionierte. Besonders widerlich: Rumpelstilzchen erwähnte wiederholt Kinder von Vorstandsmitgliedern. Der Mann ist möglicherweise psychisch krank.

Die Staatswanwaltschaft Köln ermittelt. Die Kommentare enthalten offensichtliches Insiderwissen aus dem Management von Terra Nova e.V. Der Kreis der Verdächtigen, die als möglichen Täter*innen in Frage kommen, ist entsprechend klein. Über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft darf presserechtlich erst berichtet werden, wenn der Anfangsverdacht als erhärtet gilt. Wir werden über den weiteren Verlauf berichten. 

Maulkorbversuch von Terra Nova – Verhandlung am 28.02.2020

Der Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht, Elmar Wigand, führte im Juni 2019 auch mit Bezug auf das Stalking zu Recherche-Zwecken ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin von Terra Nova, in dem – laut Gerichtsakte – angeblich sinngemäß folgende Äußerung gefallen sein soll:

Der Verein terra nova e.V. schade sich selbst, wofür insbesondere der Geschäftsführer zuständig sei, da er Gelder für die Behinderung von Betriebsratsarbeit zweckentfremden würde.

Nach diesem Telefonat endete das Rumpelstilzchen-Stalking.

Das Landgericht Köln hat der Aktion gegen Arbeitsunrecht – ohne vorherige Anhörung – zum 01.07.2019 die oben dokumentierte (angebliche) Äußerung verboten. Da Derartiges nicht gesagt wurde, haben wir Terra Nova zur Hauptsachenklage gezwungen. Die Verhandlung findet statt:

  • Freitag, 28.02.2020, 11.10 Uhr – bitte Zeit für Einlasskontrollen einplanen!
  • Landgericht Köln, Raum 0243 (2. Etage), Luxemburger Str. 101, 50939 Köln

Wir bitten unsere Mitglieder und Freund*innen um solidarische Begleitung! Wir sind außerdem gespannt, ob sich das „Rumpelstielzchen“ aus dem Münsterland zu erkennen gibt.

Terra Nova zieht andere Anträge zurück: Stalking, Zölibat + Sektenführer

Im Laufe dieses überflüssigen Rechtsstreits hat Terra Nova juristisch bereits mächtig Federn lassen müssen.

Zunächst hatte Terra Nova versucht, uns folgende drei weitere Behauptungen per einstweiliger Verfügung zu untersagen, die ebenfalls im Telefonat des Pressesprechers mit der Terra Nova-Mitarbeiterin gefallen sein sollen:

Die Geschäftsführerin des aktion Gegen arbeitsunrecht e.V. wird durch einen Mitarbeiter des terra nova e.V., der wahrscheinlich aus der Führungsebene stammt, sexuell gestalkt.

In den Wohngruppen des terra Nova e.V. herrschen zölibatäre Strukturen, die sexuell Kranke anziehen.

Jan Tietmeyer verkörpert das Karma eines Sektenführers.

Diese Anträge hat Terra Nova vor Erlaß der einstweiligen Verfügung zurückgenommen – nach Hinweisen des Kölner Landgerichtes, das das Unterfangen als aussichtslos bewertete.

Einziger Gewinner dieser Gerichtsposse ist die mit den Schriftwechseln betraute Kanzlei Harnischmacher Löer Wensing, die in Terra Nova eine lohnende Einnahmequelle gefunden hat.

Wir halten dagegen: Meinungsfreiheit ausüben und verteidigen!

Offenbar meinten der Vereinsvorstand und sein Geschäftsführer, man könne die Aktion gegen Arbeitsunrecht mit juristischen Schritten beeindrucken. Offenbar kannte die Gegenseite unsere Vorgeschichte nicht. Ein kurzer Blick auf unsere Webseite (siehe hier) hätte gezeigt: Die Aktion gegen Arbeitsunrecht geht konsequent gegen Abmahn-Anwälte und Maulkorb-Kanzleien vor. Deren Einschüchterungsversuche nehmen wir als Ansporn zu vertiefter Recherche und Öffentlichkeitsarbeit.

Mit Hilfe unseres Medienanwalts Eberhard Reinecke (Schön & Reinecke, Köln) konnten wir bereits die Kanzleien Schertz Bergmann (für Tönnies, siehe hier), Redeker Sellner Dahs (für IZA, siehe hier) und Bub Gauweiler (für Firmenich, siehe hier) in die Knie zwingen.

Hintergrund: Union Busting bei Sozialträger in der Provinz

Der Verein Terra Nova e.V. ist ein Jugendhilfeträger, der in Ochtrup, Gronau und Steinfurt, verschiedene Einrichtung unterhält, die auf sozialpädagogische Hilfen für Kinder, Jugendliche, junge Volljährige, Erwachsene und Familien spezialisiert sind.

Die  Aktion gegen Arbeitsunrecht e.V. beschäftigte sich seit 2019 mit Terra Nova, weil deren Geschäftsführer Jan Tietmeyer damals systematische Behinderung einer Betriebsratsgründung betrieb. Leider mit Erfolg.

Die Terra Nova-Geschäftsführung war mit Deckung des Vereins-Vorstands (Andreas Viering, Torben Gust und Markus Stücker) massiv gegen die Initiator*innen der Betriebsratswahl vorgangen. Die meisten schieden aus, weil sie dem psychischem und sozialem Druck in der Einrichtung nicht stand hielten. Hinzu kam juristische Zermürbung aus dem Handbuch des Union Busting (Was ist das?). 

Terra Nova Vorstand deckt Verhinderung von Betriebsratsgründung

Um eine demokratische gewählte Mitarbeitervertretung zu verhindern, kaufte die Geschäftsführung ein Mitglied des Wahlvorstands gegen Abfindung aus dem Betrieb und ließ ihn eine Schweigeklausel unterzeichnen. Juristischer Helfershelfer bei Behinderung der Betriebsratswahl war Arnd Kozian (Kanzlei Harnischmacher Löer Wensing aus Münster).

Schikanen, Mobbing und psychischer Druck

Andere Wahlvorstandsmitglieder und ihre Unterstützer wurden per Schikanen und typischer Union Busting-Methoden, wie Unterschriftensammlungen gegen die Betriebsrats-Initiator*innen zur Aufgabe gebracht. Druck und Drohungen scheinen hinter den Kulissen von Terra Nova an der Tagesordnung zu sein. Laut Aussagen ehemaliger Mitarbeiter soll „die Wohngruppenlösung“ bei Terra Nova ein geflügeltes Wort sein. Gemeint ist die Versetzung unliebsamer Beschäftiger zu besonders nachteiligen Konditionen.

Der Versuch, die Vorstandsmitglieder noch vor der ersten Veröffentlichung auf die kriminelle Natur der Betriebsratsbehinderung und die Geschäftspraktiken von Geschäftsführer Jan Tietmeyer hinzuweisen scheiterte nicht nur, sondern brachte unserem Redaktionsmitglied Jessica Reisner auch noch eine Anzeige ein. Der Terra Nova-Vorstandsvorsitzende Andreas Viering wollte eine Nötigung erkannt haben; die Staatsanwaltschaft Köln stellte die Ermittlungen in dieser absurden Sache erwartungsgemäß ein.

Die aktion ./. arbeitsunrecht e.V. erhielt außerdem ein Schreiben des Terra Nova-Vorstands, der sich voll hinter Geschäftsführer Jan Tietmeyer stehe (PDF). Wir meinen: Das ist ein schwerer Fehler gewesen, der dem Verein nachhaltig schadet.

Worüber lachen die Bosse Terra nova e.V.? Unter anderem über das Betriebsverfassungsgesetz. Vielleicht freuen sie sich auch über üppige kommunale und staatliche Gelder für ihren Verein. Doch ihr Reich steht auf tönernen Füßen. Wenn der Sozialträger aus Ochtrup eine Zukunft haben soll, muss jetzt ein personeller Schnitt erfolgen. Die Rumpelstielzchen-Affäre muss rückhaltlos aufgeklärt werden. Augenblicklich sind jedoch Personen am Ruder, die Vereinsgelder in juristische Scharaden investieren, um einen Betriebsrat zu verhindern und kritische Berichterstattung darüber zu unterbinden (Screenshot der Terra-Nova Website vom 30.01.2020).

Terra-Nova Vorstand

Der Vorstand ist vor Ort und in der Sozial-Betreuungs-Industrie bestens vernetzt, insbesondere mit dem Deutschen Roten Kreuz:

  • Andreas Viering ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Terra Nova-Vorstands, betreibt die Sonnenapotheke in Wettringen und bekleidet das Amt des 1. Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes Wettringen.
  • Markus Stücker arbeitet gar beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Nordrhein-Westfalen. Das DRK ist Dauergast auf diesem Blog. Immer wieder kommt es zu krassen Fällen der Behinderungen von Personalratsarbeit, wenn Beschäftigte die sich stetig verschlechternden Arbeitsbedingungen kritisieren. Dossier Deutsches Rotes Kreuz
  • Torben Gust erhielt noch im Januar 2020 die silberne Ehrennadel des paritätischen Wohlfahrtsverband, dem offiziellen Arbeitgeberverband der Sozial-Betreuungs-Industrie in der sich neben den großen Playern wie DRK, AWO und Caritas auch unzählige kleinere „soziale Vereine“ tummeln dürfen und der eine ganze Branche präsentiert, die für besonders belastende Arbeitsbedingungen bei oft schlechter Bezahlung steht (Bericht auf der Terra-Nova-Seite hier)

Terra Nova: „Sozialer“ Verein verhindert Betriebsratswahl, 26.04.2019

Terra Nova: Führungskräfte initiieren Wahl zum Wahlvorstand, 22.05.2019

5 KOMMENTARE

  1. Nach unten doch die selbe Tour, Ekki. Du hast A mit gemurmelt? Jan läßt dich B hören, C sagen und dann D laut vor anderen. Und schwupps steckst du in der Konsistenz-Falle. Kennt man eigentlich aus dem Studium, trotzdem nicht gecheckt. Einige folgen weiter dem Alphabet, auch aus der Leitung. Es wird Kollegen hinterher geschnüffelt, schlecht gemacht, zu Shitstorms aufgewiegelt, Situationen bezeugt, schräge Teamsitzungen abgehalten, die Unterschriftenliste herum geschickt (die Leitung macht noch aus dem Urlaub Druck), Fakewahlen angezettelt mit einem Fakewahlvorstand aus der Leitung. Alles mit freundlicher Unterstützung von oben. Macht alles ganz negative Gefühle? Heißt kognitive Dissonanz. Auch studiert und nicht gecheckt. Der Kaiser ist nackt. Sehen tun es längst die meisten. Sind weiterhin noch genügend bereit mit zu spielen? Wir werden es sehen.

    • Tante Silly, wie Recht du hast. Mir ging es genauso. Da war ich voll in der Konsistenz Falle, wie alle Anderen auch. Scheissgefühl.
      Das Spiel ist aus.
      Der Kaiser nackt!

  2. Noch im April 2018, Tage nach dem ersten Aushang, haben sich Vorstand & GF gegen einen BR positioniert. Zwar noch väterlich welterklärerisch im Ton, aber schon mit kleinen “wir sind Opfer“-Unwahrheiten gespickt. Als die BR-Gründungsaktivitäten anhielten, wurde das Narrativ von mal zu mal massiver ausgebaut, wie man hier auch sehen kann.

    Der Vorstand hat sich auf diese Weise komplett in die Hand vom GF begeben. Wie dumm, denn eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.

    Leute, ich bin so gespannt auf den Bericht über den 28.

  3. Lügen haben kurze Beine. Die angeblichen Behauptungen kamen mir doch gleich bekannt vor. Vom Juni 2019 in der die Täter sich einmal mehr zu Opfern umdichteten, um von jetzt an mit allen „rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Verein aktion ./. arbeitsunrecht e.V. und gegen Jessica Reisner und gegen Elmar Wigand persönlich vorzugehen.“ Die vier kündigten außerdem vollmundig an, die Beiträge und Kommentare verbieten und strafrechtlich verfolgen zu lassen.

    Mit dem Ergebnis, dass nun Tietmeyer selber vor Gericht zu erscheinen hat und die Staatsanwaltschaft mit erhärtetem Anfangsverdacht gegen Terra Nova ermittelt. Hut ab! Der groß angelegte Viktimisierungs-Masterplan, den sich die Herren offensichtlich einiges kosten lassen, geht sich wohl nicht ganz aus. Für Terra Nova wünsche ich mir, dass dort jemand bald reinen Tisch macht und detailliert aufgearbeitet wird.

  4. Hier auch eine ehemalige Arbeitnehmerin von Terra nova. Ich bin froh, dass die Geschäftsführung noch nicht aus dem Schneider ist. Danke für’s Durchhalten und viel Erfolg für die weiteren Verhandlungen!

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