Betriebsrats-Bashing:‭ „‬Unternehmen Marodo‭“

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‎Kein Einlenken in Frankfurter Union-Busting-Prozessen erkennbar

Frankfurt, 22. Juni 2012: Maredo-Beschäftigte und UnterstützerInnen ziehen vor Gericht

Die Prozesse rund um Kündigungen von Betriebsräten und Gewerkschaftern bei der Steakhaus-Kette Maredo gehen in die dritte Verhandlungsrunde.‭ ‬Richter Martin Becker setzte einen weiteren Arbeitsgerichtstermin für den‭ ‬31.‭ ‬Juli‭ ‬2012‭ ‬an,‭ ‬um spannende Fragen wie diese zu klären:‭ ‬Dürfen Mitarbeiter bei Maredo bei der Arbeit kostenlos Mineralwasser trinken‭? ‬Dürfen ausgemusterte Brotkanten vor dem Eigenverzehr mit konzerneigener Sour-Cream bestrichen werden‭? ‬

Was für die DGB-Rechtsschutzvertreterin eine‭ „‬betriebliche Gepflogenheit‭“ ‬war,‭ ‬ist für den ehrgeizigen Anwalt Jan Tibor Lelley und seinen Adlatus Mathias Maria Knorr‭ (‬Kanzlei Buse Heberer Fromm‭) ‬kriminelles Verhalten.‭ ‬Für die‭ ‬70‭ ‬anwesenden Prozessbeobachter sind solche Vorwürfe,‭ ‬schlichtweg Vorwände,‭ ‬um einer solidarischen Belegschaft und ihrer Interessenvertretung mittels juristischer Finten und konstruierter Straftatbestände das Genick zu brechen.‭

Zwei Stilblüten

Die Maredo-Soli-Gruppe führte am‭ ‬22.‭ ‬Juni‭ ‬2012‭ ‬eine Demonstration mit gut‭ ‬50‭ ‬Teilnehmern vom Frankfurter Gewerkschaftshaus zum nahe gelegenen Arbeitsgericht durch.‭ ‬Aus dem Lautsprecherwagen dröhnten Parolen wie‭ ‬„Aufruhr,‭ ‬Widerstand gegen Maredo-Terrror in diesem Land‭“‬.‭ ‬Im Eifer des Gefechts passierten auch Stilblüten.‭ ‬NGG-Sekretär Hans-Jürgen Hinzer:‭ ‬„Bei Maredo werden Mitarbeiter bespitzelt und heimlich mit Video überwacht.‭ ‬Das sind mittelalterliche Methoden.‭“ ‬Kann passieren.‭ ‬


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Einen weiteren Lacher erzielte später Richter Martin Becker mit einem freudschen Versprecher,‭ ‬den ihm nach mehreren Stunden ennervierender Prozess-Farce niemand nachsehen konnte.‭ ‬Er redete mit Engelszungen auf die Prozessbeteiligten ein,‭ ‬um ihnen eine‭  ‬gütlichen Einigung nahe zu bringen.‭ ‬Die Arbeitgeberseite ermahnte er,‭ ‬da schwere Imageschäden bereits eingetreten seien:‭ ‬„Es geht auch für das Unternehmen Marodo, ähm… Maredo, so nicht weiter.‭“

Kanzlei Buse verzeichnet sinkende Umsätze pro Anwalt

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht Jan Tibor Lelley,‭ ‬der trotz seiner über‭ ‬40‭ ‬Lebensjahre immer noch wirkt wie ein vorlauter Streber in der Oberstufe,‭ ‬zeigte an einer gütlichen Einigung kein gesteigertes Interesse.‭ ‬Der vom Anwalt der Gegenseite,‭ ‬Armin Franzmann,‭ ‬formulierte Anspruch,‭ ‬Maredo solle die verfemten Betriebsräte wieder arbeiten lassen und sich bei ihnen entschuldigen,‭ ‬spielte nur ein hämisches Grinsen in Lelleys Mundwinkel.‭ ‬Man kann ihn im Grunde verstehen:‭ ‬An jedem Verhandlungstag und jedem zusätzlich eingereichten Schriftsatz verdienen er und seine Kanzlei.‭ Laut Fachblatt Juve vom 14. März 2012 sank der Umsatz pro Berufsträger (UBT) der Kanzlei Buse Heberer Fromm in den beiden zurück liegenden Geschäftjahren – im Gegensatz zur Konkurrenz – um 8 Prozent. Auf den Bereich Arbeitsrecht entfielen im letzten Jahr, so juve, 12 Prozent des Kanzlei-Umsatzes. Jeder der 42 „Private Equity-Partner“ und 4 assozierten Beschäftigen erwirtschaftete bei Buse durchschnittlich 300.186 Euro im Jahr, so das Fachportal juve. Besser man vergleicht diese Zahlen nicht mit dem Gehalt einer Maredo-Bedienung, ohne Beruhigungspillen zur Hand zu haben.

Wie weiter? Private Equity ECM und NGG-Zentrale

Die spannende Frage wird sein,‭ ‬wann für Maredo und den Private Equityfonds ECM,‭ ‬zu dessen Paket GEP III der Steakbrater gehört,‭ ‬der Punkt gekommen ist,‭ ‬die Reißleine zu ziehen.‭ ‬Für die Durchführung der harten Linie gegenüber der Belegschaft zeichnet bislang Maredo-Personalchef Michael Glowig verantwortlich,‭ ‬der bereits von seinem vorherigen Abeitgeber,‭ ‬dem Fluglinien-Caterer Gate Gourmet‭ (‬damals zum Fonds‭ „‬Texas Pacific Group‭“ ‬gehörend‭)‬,‭ ‬einschlägige Erfahrungen mitgebracht haben dürfte.‭ Glowig‬ ist im Maredo-Union-Busting-Team,‭ ‬rein äußerlich,‭ ‬der Gegenpart zu Lelley:‭ ‬Typ Bundeswehrausbilder,‭ ‬grobe Gesichtszüge,‭ ‬nach vorn gebeugte latent aggressive Körperhaltung,‭ ‬massive Backen und beginnendes Doppelkinn.‭ ‬

Bei Gate Gourmet hielt die NGG am Düsseldorfer Flughafen vom‭ ‬7.‭ ‬Oktober‭ ‬2005‭ ‬bis‭ ‬7.‭ ‬April‭ ‬2006‭ ‬mit dem längsten Streik ihrer Geschichte gegen Strategien des Managements‭ (‬beraten von McKinsey‭) ‬zur Auspressung einer kampfstarken Belegschaft.‭ Der Konflikt endete mit einem Patt – keine‬ Erfolgsgeschichte für beide Seiten, sondern kostspielig.‭ ‬

Derzeit schaltet sich die NGG-Zentrale in Hamburg noch nicht besonders engagiert in den Konflikt ein – obwohl der Konflikt bundesweit für Aufregung sorgt, schaffte er es bis heute nicht auf die Website der NGG,‭ ‬die Unterstützung der gekündigten Betriebsrätin Jaqueline Fiedler in Osnabrück ist durchaus ausbaufähig. Es mehren sich Stimmen aus dem Gewerkschaftslager,‭ ‬die auf eine entschiedenere Unterstützung drängen,‭ ‬um den angeschlagenen Stier endlich bei den Hörnen zu packen.

Elmar Wigand‭


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