Mobbing auf Neuschwanstein

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Neuer Dienststellenleiter soll Mitarbeiter und Besucher schikanieren / Streik am bayrischen Tourismus-Magneten?

Einmal mehr trügt die Idylle.

Drastische Einsparmaßnahmen beim Personal führen im weltbekannten Schloss Neuschwanstein offenbar zu grotesken Ergebnissen („The king was found in Starnberg lake drunken“); Lohnraub, Bossing und ein Klima der Angst werden berichtet.

In der Süddeutschen Zeitung vom 23. Juni 2012 schreibt Stefan Mayr über eine bedrückende Arbeitsatmosphäre hinter den Kulissen des Zuckerbäcker-Schlosses: 

In der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie im zuständigen Finanzministerium sind die Probleme bestens bekannt; es gab bereits Krisensitzungen. Sogar von einem möglichen Streik ist die Rede.

Die Kritik der Schloss-Bediensteten richtet sich vor allem gegen ihren neuen Dienststellenleiter Hubert N. Der ist seit 2010 im Amt und hat etliche Änderungen eingeführt, die beim erfahrenen Personal Unmut ausgelöst haben. […]

N. hat jedenfalls keinen historischen oder baufachlichen Hintergrund, sondern war bisher als Finanzbeamter tätig. Seine Kritiker werfen ihm vor, er mobbe mehrere unliebsame Mitarbeiter und liefere sich auch mit Besuchern bizarre Auseinandersetzungen: So soll N. im Sommer eine spanische Fremdenführerin im Schloss öffentlich aus nächster Nähe angeschrien und weggeschubst haben, so dass die Frau in Tränen ausbrach.

Im Jahr 2010 soll er die Polizei gerufen haben, weil eine russische Besucherin bei einer Kontrolle mit einem Kinder-Freiticket angetroffen wurde. Obwohl die Frau sofort anbot, eine Erwachsenen-Karte zu kaufen, habe N. darauf bestanden, die Polizei im Schlosshof vorfahren zu lassen. „Solche Dinge sprechen sich herum, das ist doch verheerend für das Ansehen des Schlosses“, sagt die langjährige Mitarbeiterin Annette Huber.

Ihren richtigen Namen will sie nicht veröffentlichen, weil sie um ihren Job fürchtet. Auch der örtliche Personalrat sagt aus Angst vor Kündigung nichts – und verweist auf den Bezirks-Personalrat in München. […]

Im Zuge größerer Einsparmaßnahmen wurde im Schlossmuseum das Aufsichtspersonal gestrichen, es gibt keine Extra-Führungen für Rollstuhlfahrer mehr. Weil einige Schlossführer entlassen wurden, können die restlichen Führer in Stoßzeiten kaum mehr Pausen machen. „Manchmal fehlt sogar die Zeit, um zwischen zwei Runden auf die Toilette zu gehen“, sagt Annette Huber. „In der Lohnabrechnung wurden die Pausenzeiten allerdings weiterhin abgezogen.“

Laut Huber wurde ein junger Familienvater entlassen, weil angeblich seine Englischkenntnisse nicht ausreichten. Im Gegenzug sei aber ein 70-jähriger Rentner eingestellt worden, der noch viel schlechter Englisch spreche. In einer Führung soll er gesagt haben: „The king was found in Starnberg Lake drunken“ – ihm zufolge wurde der König im Starnberger See also nicht >>ertrunken<< gefunden, sondern nur >>betrunken<<.

[Hervorhebungen von arbeitsunrecht.de / Bildnachweis: Hedwig Storch, Creative Commons 3.0]

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