#FR13 Einzelhandel: Stadtrundgänge und Aktionen in 10 Städten

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Aktion gegen Arbeitsunrecht informiert Kund*innen und Beschäftigte über Ausbeutung im Einzelhandel. Bilder + Berichte

Am Freitag, den 13. Dezember 2019, führte die Initiative Aktion gegen Arbeitsunrecht zusammen mit Freunden und Bündnispartnerinnen in 10 Städten Proteste, Teach-ins und Stadtrundgänge durch. Die größten Aktionen fanden in Berlin und Köln statt.

Trotz widriger Umstände – Kälte, strömender Regen in NRW, allgemeine Gehetztheit und Terminverdichtung, unpolitische Grundstimmung in der Vorweihnachtszeit – war die Resonanz bei Passanten, Kunden und Beschäftigten positiv.

Die Aktion gegen Arbeitsunrecht überlegt auch 2020 mit Aktionen in der Vorweihnachtszeit auf Misstände im Einzelhandel hinzuweisen.

Die Branche hat strategische Bedeutung

Im Einzelhandel arbeiten 3,1 Millionen Menschen. Der Einzelhandel ist ein Vorreiter bei Betriebsratsbekämpfung, Tarifflucht, inhumanen Arbeitszeiten und sozialschädlichen Beschäftigungsformen. Deshalb gehen die Zustände im Einzelhandel alle Lohnabhängigen an: Was hier an den Verkäufer*innen, Wachleuten, Reinigungskräften und Regaleinräumer*innen ausprobiert wird, kann als nächstes Dich und Deine Kinder treffen!

Gleichzeitig häuft sich auf Seiten der Besitzenden Unternehmer-Familien obszöner Reichtum, den sie auch noch durch (legale) Steuertricks an den Finanzämter vorbei schleusen.

Streik bei Kaufhof und Smyths Toys NRW

Verdi rief Beschäftige bei Kaufhof und Smyths Toys NRW für #Freitag13 zum Streik auf.

Die Smyths Toys Filiale Koblenz streikte am Donnerstag und #Freitag13. Aachen, Duisburg und Hagen streikten nur am Vortag. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich Beschäftigte in 68 Kaufhof-Filialen, 16 Filialen von Karstadt Sports sowie rund acht Filialen von Karstadt Feinkost an Arbeitsniederlegungen am Donnerstag und #Freitag13 (tagesschau.de, 12.12.2019).

Wir freuen uns, dass der Gewerkschaftsriese zumindest kurzzeitig geweckt wurde! Das Verhalten der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft / Fachbereich Handel bleibt aber – wie schon beim Schwarzen Freitag Nr. 7 gegen Real – rätselhaft bzw. widersprüchlich. Eine Kontaktaufnahme und Koordination fand nur vereinzelt auf lokaler und informeller Ebene statt. Die Beschäftigten von Smyths Toys erfuhren erst so kurzfristig vom Streikbeginn, dass sie keine Zeit mehr für Vorbereitungen hatten.

Insgesamt scheint sich Verdi derzeit mit der Forderung nach einem allgemeinverbindlichen Branchentarif im Einzelhandel und entsprechenden Lobbyismus in Richtung SPD und Groko ziemlich zu verrennen. Was hier geschieht ist so ziemlich das Gegenteil von Organizing und dem Aufbau von Gegenmacht. Hat Verdi die Perspektive schon aufgegeben, im Einzelhandel aus eigener Kraft wieder flächendeckend streik- und tariffähig zu werden? Dabei bietet gerade diese Branche große Chancen. Hier sind Imageschädigung, Boykott, Flashmobs, Die-ins etc. möglich. Das Potential für kreativen, gewerkschaftlichen Widerstand ist in Deutschland nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft.

Berichte aus den Städten

Berlin

In West-Berlin kamen auf dem Kurfürstendamm 25 Personen zusammen. Mitglieder der Aktion gegen Arbeitsunrecht, der sozialistischen Frauengruppe Brot und Rosen, sowie verdi besuchten zunächst die Medienkanzlei Schertz Bergmann, die im Auftrag des Tönnies-Managements kritische Berichterstattung zur Ausbeutung von Werkvertragsarbeitern behindern sollte. Hier stießen die Teilnehmer auf die erfolgreiche Verteidigung gegen den frechen Maulkorbversuch an.  

Anschließend besuchten die Aktivisten Filialen von Lush, H&M, Zara, Foot Locker, C&A und Kaufhof und hielten dort Teach-ins zu den Arbeitsbedingungen im Einzelhandel aber auch in den Herstellerfabriken. Die Aktion stieß bei Passant*innen, Kund*innen und Beschäftigten durchweg auf große Zustimmung.

Köln

Trotz strömenden Regens kamen in Köln 20 Leute zusammen und zogen vom Aldi Venloer Straße 181 bis zum Rossmann, Venloer Str. 308. Große Attraktion: die Blasmusik-Formation BESTE RESTE // Ahl Kwagga Säu intonierte Arbeiterlieder zum Mitsingen sowie internationale Guggenmusik-Funk-Hits.

Werner Rügemer und Jessica Reisner informierten über Schandtaten dieser Ketten sowie der Marken Kaufland, Alnatura, Denn’s Kaufland, Tedi. Elmar Wigand verunsicherte Kund*innen der REWE-Filiale, Venloer Str. 287 mit einem Rant gegen die Selbst-Kassierung an EC-Automaten. Eine sechsköpfige Abordnung der Blasmusik-Formation BESTE RESTE // Ahl Kwagga Säu intonierte Die Internationale, Brüder zur Sonne zur Freiheit und Rote Fahne (O Tannenbaum, sozialistische Version). Sie spielten am Ende mit völlig durchweichten Noten und verfrorenen Fingern.

Hamburg

„Während des Weihnachtskaufrausch in der Hamburger Innenstadt haben wir bei unserer „Freitag den 13.“- Aktion die schlechten Arbeitsbedingungen im Einzelhandel und den Zusammenhang mit den niedrigen Löhnen allgemein thematisiert. Bei Gesprächen mit den Passanten, die sich trotz der Hektik im ‚Weihnachtstrubel auf Gespräche einließen stießen die Forderungen auf Zustimmung. Viele kannten die Probleme vom eigenen Arbeitsplatz, wie Unternehmenszersplitterung und fehlende Arbeitnehmer*inenvertretungen, Leiharbeit, ständige Flexibilität und schlechte Löhne. Außerdem haben wir die unmenschlichen Bedingungen in den Zulieferbetrieben der Textilbranche am Beispiel H&M und Südostasien, wo H&M produzieren lässt und grundlegende Arbeitnehmer*innenrechte verletzt, thematisiert, und auf dortige Auseinandersetzungen hingewiesen.
Beteiligt haben sich wie in der Vergangenheit die IWW, FAU und ATIF.“

Plauen

Die Ortsgruppe der syndikalistischen Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union (FAU) besuchte Filialen von Tedi, Rossmann, H&M und Denn’s.

News

Königs Wusterhausen

Pünktlich um 21.00 Uhr am 12.Dezember 2019 am Vorabend des schwarzen Freitag für den Einzelhandel startete „Die Aktion“ ihre Aktivitäten für faire Löhne, Tarifbindung und bessere Arbeitsbedingungen im Einzelhandel in Königs Wusterhausen. Briefkastenaktion, Flyeraktion und Flashmobs signalisierten die Botschaft für alle Beschäftigten im Einzelhandel „Es reicht!“ Unterstützt wurde „Die Aktion“ von der Linksjugend Solid und Arbeitsunrecht Berlin sowie DGB Kreisverband LDS und Ver.di. Mehr dazu: facebookD

Wernigerrode

Mitglieder der Partei DIE LINKE aus dem Harzkreis führten eine Weihnachtsaktion für höhere Löhne und mehr Wertschätzung der Beschäftigten im Einzelhandel und Paketzustellung durch. Die Linken zogen durch Filialen und überreichten rund 200 Beschäftigten Schoko-Weihnachtsmänner. Mit dabei: die Landtagsabgeordnete Monika Hohmann, Wahlkreismitarbeiter Christian Härtel vom Büro des Bundestagsabgeordneten Jan Korte und die Ratsmitgliedern Evelyn Eilert und Thomas Schönfelder. Mehr dazu: Die LINKE Wernigerode

Presseschau

Schwarzer Freitag für den Einzelhandel: Gegen Lohndumping und Union Busting im Einzelhandel

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