AmRest / Starbucks: Bundesweite Proteste gegen Union Busting am Freitag, 13.

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Aktionstag #Freitag13 korrigiert Starbucks-Image

Starbucks AmRest Boykott Freitag13
Nicht aufzuhalten: Protest gegen Union Busting durch Starbucks Prokurist und Syndikus-Anwalt Alexander Sauer im Berliner Hauptbahnhof

Von Arbeit für den Franchise-Subunternehmer AmRest ist abzuraten.

Starbucks-Konsum-Streik geht weiter! Medienspiegel | Bilder-Galerie

Am Freitag, 13. November fanden im Rahmen des Aktionstags #Freitag13 verschiedenste Proteste gegen die Kaffeehaus-Kette Starbucks statt, darunter in Berlin, Hamburg, Duisburg, Köln, Düren + Siegen. Darüber hinaus beteiligten sich zahlreiche Einzelpersonen im Bundesgebiet, indem sie Materialien (Aufkleber, Fake-Stellenanzeigen, Flugblätter) in Supermärkten oder Starbucks-Filialen sowie an Laternenpfählen und Schwarzen Brettern hinterließen.

In Zeiten des zweiten Corona-Teil-Lockdowns verlagerte sich ein Teil der Aktivitäten in den virtuellen Raum: Es gab zornige Postings, Bilder, Kommentare und negative Bewertungen zu Starbucks und seiner undemokratischen, ausbeuterischen Arbeitskultur.

#Freitag13 unter Corona-Bedingungen

Der öffentliche Raum wurde in Corona-Zeiten anders als mit klassischen Kundgebungen genutzt, auch weil wir uns —  im Gegensatz zur bizarren Melange der Corona-Leugner, -Skeptiker, rechten Trittbrettfahrer*innen und ideologischen Mutanten — , für Arbeitsschutz und Solidarität mit den Krankenhausbeschäftigen einsetzen. Wir nehmen die Bekämpfung von COVID-19 ernst und sind vorsichtig.

In Hamburg verteilte attac eigens überarbeitete Flyer und eigene Informationsblätter, die detailliert zur Steuervermeidung durch Starkbucks informieren. Die wenigen Passant*innen, die trotz Corona unterwegs waren, begrüßten die Aktion. Am Hamburger Barkhof waren Mitglieder der Industrial Workers of the World Hamburg (IWW) und Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland ATIF Hamburg (ATIF) gegen Union Busting bei Starbucks aktiv.

In Siegen war der Sicherheitsdienst der City-Galerie alarmiert und verhinderte Unterstützer*innen des Aktionstags den Zutritt. Es konnten trotzdem einige hundert Flugblätter vor der Galerie verteilt werden. Auch in Düren und Duisburg wurden dank der Gruppen Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA)und Solidarische Aktion Duisburg reichlich Stellenanzeigen angebracht und Flyer verteilt. Die WAA erstellte hier auch einen eigenen Bericht.


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Rallye in Berlin

In Berlin, wo es zur Auflösung einer der wenigen aktiven Betriebsräte bei Starbucks gekommen war und sich der Betriebsratsvorsitzende Michael G. gegen 12 Kündigungsversuche wehrt, war die Solidarität besonders groß. Hier beteiligten sich neben Mitgliedern der Aktion gegen Arbeitsunrecht auch Aktivist*innen der Initiative Hände weg vom Wedding und Berliner Aktion gegen Arbeitgeberunrecht, sowie Beschäftigte des Berliner Kinos Colosseum.

Gleich beim Start am Berliner Hauptbahnhof  wurden die rund 25 Teilnehmer*innen von der Polizei informiert, dass das Bahnhofsgebäude nicht betreten werden dürfe, da weder Starbucks noch die Deutsche Bahn mit dem Protest einverstanden seien. Um den Zugang im Sinne von Starbucks und Deutscher Bahn sicher zu verwehren, waren die Beamten mit gleich drei Wannen angerückt.

Die Teilnehmer*innen hatten ohnehin andere Pläne und teilten sich in rund 9 Kleinstgruppen auf, deren Aufgabe war, die jeweils größtmögliche Zahl Aufkleber und Stellenanzeigen anbringen, sowie Flyer zu verteilen. Die Aktivisten versahen zusätzlich Skulpturen mit Pappschildern wie „Starbucks sucks“ (siehe Fotogalerie).

Die coronagerechte Aktionsform war ein voller Erfolg: es wurden nicht nur hunderte  Stellenanzeigen und Flyer verteilt, es kamen auch sehr viele Gespräche mit Passant*innen zustande, die große Sympathie für die Aktion äußerten.

Geradezu genial: die dezentrale Aktionsform machte es Starbucks unmöglich gegen zu steuern und den Protest einzufangen. Die Teilnehmer*innen berichten zudem, dass der Spaßfaktor im Vergleich zur herkömmlichen Kundgebung ungleich größer gewesen sei. Ein Konzept mit Zukunft.

Köln: Performance „Arbeiter, denk mal!“

AmRest Starbucks Adenauer köln
Zitate aus dem Ahlener Programm der CDU der britischen Zone vom 3. Februar 1947: „Die neue Struktur der deutschen Wirtschaft muss davon ausgehen, dass die Zeit der unumschränkten Herrschaft des privaten Kapitalismus vorbei ist.“ „Ein Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer an den grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen Planung und sozialen Gestaltung ist sicherzustellen.“ „Dem von der Belegschaft gewählten Vorsitzenden des Betriebsrates ist Gelegenheit zur Mitwirkung in allen Fragen zu geben, welche die sozialen Interessen der Betriebsangehörigen berühren.“

Das Konrad-Adenauer-Denkmal in der Kölner Innenstadt erhielt eine Starbucks-Schürze. Es liegt am Eingang der teuersten Kölner Einkaufsstraße, der Mittelstraße, zwischen den Starbucks-Filialen am Neumarkt und Friesenplatz. Der langjährige Kölner Oberbürgermeister, Bundeskanzler und CDU-Patriarch, hielt ein Schild in der Hand: „Workers Rights are Human Rights“. (Die Idee: Möglicherweise war „der Alte“ in Altersarmut gerutscht und musste an der Niedriglohnfront ran.)

Zu einer Sound-Collage der Alliierten Marschkapelle // Schwarzer Freitag, von Jessica Reisner mit Verve dirigiert, verlas Elmar Wigand per Megafon vier Zitate aus dem Ahlener Programm der CDU von 1947, die den Shopping-Passant*innen in den Ohren geklingelt haben dürften. Damals schlug Adenauers CDU Töne an, für die man heute womöglich vom Verfassungsschutz beobachtet würde. (Und die bereits 1949 vergessen waren.)

„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.“1

Unterstützt wurde die Aktion auch von einer Delegation der Freien ArbeiterInnen Union FAU Düsseldorf.

AmRest Starbucks Wir stellen ein! Adbusting
Im Bundesgebiet tauchte Adbusting an Leuchtkästen der Firmen Ströer und Wall Decaux auf. Eine großformatige Stellenanzeige im Citylight-Format persifliert in überzogenem PR-Deutsch das sozialschädliche Geschäftsmodell von Starbucks (arbeitsunrecht.de, 13.11.2020).

Starbucks-Management macht #Freitag13 bekannt

Das Starbucks-Management hatte offenbar sämtliche Filialen Deutschlands vom drohenden Aktionstag unterrichtet; entsprechend nervös und aggressiv traten einige Filialleiter den Aktivistinnen in verschiedenen Städten entgegen.

Nachteil dieser autoritären Zentral-Steuerung durch das Münchner Management: Viele Beschäftigte dürften erst durch Direktiven ihrer Vorgesetzten vom Aktionstag erfahren haben und für Möglichkeiten des Widerstands sensibilisiert worden sein. (An alle Starbucks-Beschäftigten: Wir sind auf eurer Seite! Wer uns über Arbeitsbedingungen und Schikanen bei Starbucks berichten will, nehme gern vertraulichen Kontakt auf. Wir freuen uns auch über Kommentare unter diesem Beitrag!)

Und was bringt das alles?

Dass der Aktienkurs des Starbucks-Franchisenehmers AmRest, der in Deutschland die Alleinvertretung der Marke besitzt, durch unsere Aktivitäten abrutschen würde — wie etwa der Kurs von H&M im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Aktionstag #Freitag13. September 2017 (siehe: arbeitsunrecht.de, 6.2.2018) –, war von vornerein nicht zu erwarten. Einerseits befindet sich der AmRest-Aktienkurs seit der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten am 3. November im stetigen Aufwind,2 andererseits steuert der deutsche Markt derzeit laut AmRest-Quartalsbericht nur 8,2 % zu den weltweiten Gesamtumsätzen der Franchise-Sub-Unternehmer-Kette bei.

Mit rund 165 Filialen und schätzungsweise nur 160 Millionen Euro ist Deutschland ein Starbucks-Entwicklungsland. In den USA betreibt Starbucks über 15.000 Kaffeebars. Der Stabucks-Sub-Unternehmer AmRest, der in Deutschland auch sämtliche Pizza-Hut-Filialen betreibt, macht wesentlich mehr Umsatz in Polen, Frankreich, Spanien und Russland.3

Imageschäden und Engpässe beim Personal

So dürfte der Aktionstag #Freitag13 Nr. 10 mittelfristig dazu beitragen, dass die Marke Starbucks in Deutschland — im globalen Vergleich — auch weiterhin ein Low Performer bleibt. Das Image ist beschädigt. Das ist aus zwei Gründen schmerzhaft:

  1. Starbucks-Kund*innen dürften sich beim Besuch der Kette weniger hip und modern fühlen, manchen drängen sich Fragen auf: Warum soll ich weiterhin überteuerten Franchise-Schrott zu mir nehmen, der auf Ausbeutung und Unterdrückung aufgebaut ist? Freies WLAN gibt es auch woanders.

  2. Starbucks dürfte durch #Freitag13 Engpässe bekommen, die den wichtigsten Rohstoff einer jeden Profitmaschine betreffen: menschliche Arbeit. Eine moderne Knochenmühle, die vergleichsweise schlecht bezahlt, aber von ihren Beschäftigten um so mehr verlangt, ist ein schlechtes Los bei der Berufswahl. Ein Job bei Starbucks ist eine Niete. Da Starbucks ein Durchlauferhitzer ist, der Beschäftigte systematisch verschleißt, ist die Kette auf ständigen Nachschub (Human Resources) angewiesen. Hier dürfte es in Zukunft deutlich stärker klemmen.

Sie möchten über Ihre Erlebnisse beim #Freitag13 oder Starbucks berichten? Die Kommentarfunktion können Sie auch anonym nutzen! Sie haben noch ein Aktionsbild für diesen Beitrag? Bitte schreiben Sie uns (Kontakt).


Quellen / Anmerkungen

2 Hinter AmRest stecken mexikanische Besitzer. Ob die Abwahl Donald Trumps das mexikanische Kapital beflügelt? AmRest gehört zu 67,05% der FCapitalDutch B. V.. Dahinter steckt durch ein verschachteltes Tochter-Firmen-Konstrukt die mexikanische Grupo Far-Luca, S.A. de C.V. Deren Boss, der Mexikaner Carlos Fernández González, ist Aufsichtsratsvorsitzender von AmRest. Quelle: Financial Statement. Factshett, S. 19, AmRest Holdings SE, 12.11.2020, https://www.amrest.eu/sites/default/files/pliki_dla_inwestorow/results_call_3q2020_0.pdf

3 Deutschland steuert im dritten Quartal 2020 (Q3 /2020) mit 36,2 Millionen Euro nur 8,2 Prozent zum weltweiten Umsatz von Amrest bei. Auf den vorderen Plätzen sind die Märkte Polen (110,2 Mio / 25%), Frankreich (70,1 Mio. / 15,9 %), Spanien (50,5 Mio / 11,4%), Russland (42,8 Mio. / 9,7%). Quelle: Financial Statement. Segemt Breakdown Q3, S. 13, AmRest Holdings SE, 12.11.2020, https://www.amrest.eu/sites/default/files/pliki_dla_inwestorow/results_call_3q2020_0.pdf


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1 KOMMENTAR

  1. Hallo, liebe Aktiven,
    habe lange nachgedacht, ob ich hier mal schreibe, was ich so denke.
    Starbucks wird solange die „Nase vorn“ haben, bis andere Caffee-Häuser oder Caffees merken, warum ihre Läden nicht so gut laufen wie Starbucks.

    Ich weiß nicht, ob ihr mal in einem Starbucks Caffee gesessen habt. Wäre wichtig als sog. „soziologischen Studien“ oder ein Praxistest.
    Ich habe mal drin gesessen. Man wird mit dem Vornamen angesprochen und auch gefragt, wie man heißt. Man kann den Vornamen sagen, auch lassen. Dann kannst du darin sitzen so lange du willst. Du kannst was auf deinem Handy schreiben oder in ein Heft oder ein Buch lesen. Hin und wieder kommt jemand und fragt, ob du noch Kaffee möchtest. Wenn ja, bringt er dir den oder du holst ihn, wenn nein, ist das auch gut. Es können noch Freundinnen und Freunde dazu kommen, die holen sich ihre Leckerlies und Kaffees und alle können sitzen und reden und lachen.

    In einem normalen Caffee kannst du an die Theke gehen und deinen Kuchen bestellen, wenn du ihn haben wllst und dann setzt du dich brav an einen meist runden Tisch mit Blumenväschen drauf und wartest bis die Bedienung kommt und kannst dann bestellen. Dann werden Kaffee und Kuchen gebracht und wenn du fertig bist, kannst du nicht mehr sitzen und in einem Buch lesen, oder schreiben oder mit anderen Freundinnen und Freunden, die lachend das Caffee stürmen sitzen bleiben. Die müssen sich benehmen. Bist du alleine hast also fertig gegessen und getrunken, kannst du die Kellnerin rufen oder die Hand hoch heben, wie man das so macht. Du bezahlst und gehst.

    Das ist wie bei Mc Donalds. Da kannst du auch sitzen, schreiben, lesen, nichts tun, mit Freundinnen und Freunden zusammen lachen oder auch nicht. Dich schmeisst keiner raus.

    Ich wurde mal aus einem Caffee geschickt, weil ich einfach nur noch sitzen, meinen Kakao trinken und was lesen wollte. Nein, das geht nicht, der Platz wird für andere gebraucht.

    So. Und nun dürfen alle Caffeebesitzer mal nachdenken, warum die Jugend und die bis zu 50 Jährigen lieber zu Starbucks gehen, als in so ein Caffee für älteres, gediegenes Publikum. Und ob da Kellnerinnen auch ordentlich bezahlt werden? …. eher nicht.

    Ich stehe auf euer Seite, aber auf die Arbeitsverhältnisse hinzuweisen, reicht nicht. Starbucks wie auch Mc Donald sind Treffpunkte für die Jugend und zwanglose Ältere. Und die werden sich davon auch nicht abbringen lassen. Ich habe es versucht und weil ich mal bei Starbucks gesessen habe und mir das Treiben da so anschaute – ihr- wir werden gegen die nicht gewinnen und ehrlich gesagt – ich will es auch nicht. Die jungen Leute sollen ihre Freude und Treffpunkte haben.

    Ich würde also eher die Regierung beschimpfen, die so schluderig ist und nicht darauf achtet, dass Arbeitsrechte eingehalten werden, als gegen einen Starbuck Laden. Außerdem arbeiten da viele SchülerInnen und StudentenInnen, die sich Geld für ihr Studium oder Taschengeld verdienen. Das also ist ganz anders, als z.B. bei Tönnies.
    Liebe Grüße von Karola

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