Qualifikation angezweifelt, Akten verschwunden – Rettungsdienst attackiert Betriebsratsvorsitzenden mit Kanzlei Schreiner + Partner
Die Reinoldus Rettungsdienst gGmbH aus Dortmund will dem Betriebsratsvorsitzenden kündigen. Die Kündigung wird für Reinoldus von der Kanzlei Schreiner + Partner betrieben. Diese Kanzlei ist deutschlandweit für ihre Dienstleistung als Union Buster bekannt. Anwälte von Schreiner + Partner, hier laut Reinoldus-Angestellten Kanzleipartnerin Bianca Maiworm, helfen Unternehmen, sich unliebsamer Betriebsratsmitglieder zu entledigen und dabei gegenenfalls den besonderen Kündigungsschutz zu umgehen.1
Bei Reinoldus bedient sich die Kanzlei dieses Konstrukts: Der Betriebsratsvorsitzende habe Reinoldus bezüglich seiner Qualifikation getäuscht. Fakt ist: Der Vorsitzende des Betriebsrats hat den irischen Abschluss eines Advanced Paramedics. Und er hat anscheinend während seiner Anstellung bei Reinoldus gute Arbeit geleistet. Denn schon rund ein halbes Jahr nach seiner Einstellung im September 2024 soll er laut Kollegen im März 2025 zum Wachleiter ernannt und im April 2025 in den Betriebsrat gewählt worden sein.
Wo sind die eingereichten Papiere geblieben?
Zum Kündigungsversuch wegen der angeblich fehlenden Anerkennung des irischen Advanced Paramedic meldete sich nun der ehemalige Geschäftsführer Magnus Memmeler mit einer Stellungnahme für das Arbeitsgericht Dortmund zu Wort. Die Einstellung im Jahr 2024 fiel in die Zeit seiner mittlerweile beendeten Geschäftsführung, und der Rechtsstreit berührt damit auch seine Integrität.
Nach Schilderung von Memmeler hat er die Unterlagen zur Einstellung des Notfallsanitäters dem Ärztlichen Leiter des Kreises Unna vorgelegt und um Prüfung der Gültigkeit in Deutschland gebeten, was der Kreis ihm erwartungsgemäß bestätigt haben soll.
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Denn der Advanced Paramedic ist nach EU-Vereinbarungen dem Abschluss eines Notfallsanitäters gleichgestellt. Diese machen eine dreijährige Ausbildung. Ihr Abschluss gilt als höchste nichtärztliche Qualifikation im deutschen Rettungsdienst.
Widersprüchliche Aussagen des Kreis Unna
Beim Gütetermin am 28. Januar 2026 allerdings behauptete die Reinoldus-Geschäftsführerin Nicole Grünewald, dass der Betriebsratsvorsitzende laut der Kreisverwaltung von Unna keine ausreichende Berufsqualifikation habe. Dieser Widerspruch soll auch die Richterin am Dortmunder Arbeitsgericht überrascht haben. Der Kreis Unna musste einräumen, dass Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und des Amtes für Katastrophenschutz unterschiedliche Auskünfte erteilt hätten. Auf Anfrage der Autorin bestätigte der Pressesprecher des Kreises Unna, dass im vorliegenden Fall seien keine Genehmigungen erteilt worden seien.
Wo aber sind dann die Unterlagen geblieben, die Ex-Geschäftsführer Memmeler beim Kreis eingereicht haben will? Die sollten, zumindest bei Reinoldus, in einer digitalen und einer analogen Personalakte erfasst sein, liegen anscheinend aber nicht – oder nicht mehr – vor. Hier sollte unseres Erachtens ein Datenschutzverstoß geprüft werden.
Insolvent. Aber Mittel für Schreiner + Partner und eine Kommunikationsagentur sind vorhanden?
Am 15. Januar 2026 hat Reinoldus Insolvenz angemeldet – nur eines von vielen Problemen. Die Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte gegenüber der Autorin, wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten zu ermitteln und zu prüfen, ob weitere Straftaten in Frage kommen.
Das Mandat für Schreiner + Partner zur Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden scheint trotz Insolvenz weiterzulaufen. Eine Anfrage der Autorin an den Insolvenzverwalter Sebastian Henneke (Kanzlei Streitbörger) wie sich das Mandat für die Union Buster mit einer angeblichen Zahlungsunfähigkeit verträgt und ob diese Betriebsausgabe gesondert geprüft wird, blieb auf verstörende Art unbeantwortet. Anstelle auf das Mandat für Schreiner + Partner einzugehen, teilte eine eigens beauftragte Kommunikationsagentur namens Tönspeak auf Anfrage mit, dass das Mandat des Insolvenzverwalters nicht in Konkurrenz zu ausstehenden Löhnen stehe. Bloß: Dass hatte weder Jemand vermutet noch Jemand nachgefragt.
Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nichts? Reinoldus-Geschäftsführung will ohne Betriebsübergang unter anderem Namen weiter machen
Mittlerweile steht die Reinoldus gGmbH zum Verkauf an einen Investor. Nach Angaben von Beschäftigten hat der bisherige Geschäftsführer Peter Schroeter angekündigt, die Reinoldus gGmbH selbst wieder übernehmen zu wollen – und zwar über die neu gegründete Kommunalpartner Rettungsdienst und Katastrophenschutz NRW gGmbH (KPRD). Nach einer Pleite die eigene Firma kaufen? Das wirft nach einem Desaster wie bei Reinoldus die Frage auf, wem so eine Insolvenz eigentlich nutzt. Die Belegschaft scheint es jedenfalls nicht zu sein.
Für die rund 100 Angestellten könnte die Übernahme bzw. Weiterführung nach der Insolvenz durch das bisherigen Geschäftsführer Schroeter schlechtere Bedingungen bedeuten: ohne den bisherigen Haustarifvertrag und mit längeren Arbeitszeiten. Ein Betriebsübergang liege laut Schroeters Darstellung nicht vor.2
Fest steht: Inmitten von Insolvenz, möglichem Firmenverkauf und laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist ein handlungsfähiger Betriebsrat wichtiger denn je. Vielleicht ist genau das der Punkt, warum die Geschäftsführung unter Nicole Grünewald und Peter Schroeter trotz Insolvenz weiterhin Schreiner + Partner beauftragt.
Quellen:
2 Sebastian Smulka: Angebot für Reinoldus-Belegschaft: Neue Jobs ohne den alten Tarifvertrag, Hellweger Anzeiger, 15.02.2026 https://www.hellwegeranzeiger.de/unna/rettungsdienst-reinoldus-insolvenz-neue-jobs-ohne-tarifvertrag-arbeitszeit-w1152922-1001611702//
Wir berichteten bereits hier zur Reinoldus gGmbH:
Jessica Reisner: Skandalträchtiger Rettungsdienst Reinoldus will Betriebsratsmitglieder feuern, Arbeitsunrecht, 17.04.2025 https://arbeitsunrecht.de/union-busting-news-06-25-streikrecht-in-gefahr-union-busting-bei-edeka-koalitionsvertrag-tesla-rettungsdienst-reinoldus-arbeitsunfaelle/#anker06
Jessica Reisner: Reinoldus Rettungsdienst: Angestellte bitten Aufsichtsbehörden und Justiz um Hilfe, Arbeitsunrecht, 20.11.2025 https://arbeitsunrecht.de/union-busting-news-15-25-fraport-reinoldus-rettungsdienst-Mainz05-siemens-energy/#anker02
Jessica Reisner: Reinoldus Rettungsdienst: Angestellte von allen guten Ämtern verlassen? Arbeitsunrecht, 29.12.2025 https://arbeitsunrecht.de/reinoldus-rettungsdienst-angestellte-von-allen-guten-aemtern-verlassen/
Jessica Reisner: Update Reinoldus: Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt! Verdacht auf Insolvenz-Straftaten, Arbeitsunrecht, 21.01.2026 https://arbeitsunrecht.de/staatsanwaltschaft-dortmund-ermittelt-wegen-verdachts-auf-insolvenzstraftaten-gegen-reinoldus/
1 Unsere Leser kennen die Kanzlei Schreiner + Partner unter anderem aus folgenden Zusammenhängen:
- Borbet: Schreiner + Partner gegen Betriebsrat und IG Metall
- Göttingen: Mit Prothese, ohne Tarif – Union Busting bei Ottobock und GÖVB
- Bayerische Unikliniken: Ausgelagerte Reinigungskräfte streiken für Gleichbehandlung in Erlangen, Würzburg und Regensburg
- Kik setzt Schreiner + Partner auf Betriebsrat an
- Elco: Union Buster Schreiner erfolgreich abgewehrt
- ADAC: Anfragen der Aktion gegen Arbeitsunrecht unbeantwortet – Bezahlen ADAC-Mitglieder mit ihren Beiträgen systematische Betriebsratsbekämpfung?
- Schedl / Schreiner + Partner: Erstes Betriebsratsmitglied kalt gestellt?
- Schreiner + Partner können Betriebsratswahl bei Wikus nicht verhindern
- Berichte über Proteste gegen Schreiner + Partner: Schreiner+Partner: Union Buster gehen in Untergrund
redaktioneller Hinweis
Der Text erschien am 22.12.2025 in geänderter Form in der Tageszeitung junge Welt.
Jessica Reisner: Union Busting bei Reinoldus – selbst in der Insolvenz, junge welt, 20.02.2026 https://www.jungewelt.de/artikel/517817.betriebsratsbehinderung-union-busting-bei-reinoldus-selbst-in-der-insolvenz.html

Jessica ist die Geschäftsführerin der aktion ./. arbeitsunrecht.
Als Influencerin und Autorin bekämpft sie Unternehmerkriminalität und Union Busting. Jessica moderiert mit Elmar Wigand die Sendung arbeitsunrecht FM. Jessica schreibt als freie Journalistin für die Tageszeitung junge Welt und andere Medien. Sie hält Vorträge und berät Gewerkschaften, Betriebsräte und Betriebsratsgründer*innen.




